Dienstag, 24. November 2015

Individuelle, kapitalistische Konsumdiskrepanz

Meine eigene, ganz klar.
"Das ist nur mein Alkoholikerhusten", oder so ähnlich klingt es, wenn ich mir die Erklärungen zu den invaliden Erscheinungsbildern im Bekanntenkreis so anhöre. Da ist alles dabei, von Milcheiweißallergie bis hin zur laufenden Nase bei jeglicher Nahrungsaufnahme. Auch Wasser. Eine Wasserallergie. Also quasi eine Lebensallergie. Dabei nennen die Schotten ihren Whiskey doch so passend "Uisge Beatha" (Uschkeba gesprochen), was soviel wie "Wasser des Lebens" bedeutet. Leben ist ja das, was man irgendwie immer macht, nur die Qualität ist variabel. Variabel ist auch die Einstellung zum selbigen und neben den mannigfaltigen Optionen zur Gestaltung dessen, ist auch die innere Einstellung dazu schon eine Herausforderung. 

Bloß nicht zu viel darüber nachdenken, sonst Error im Kopf. 

Zu viele Angebote und Lifestyle-Sekten. Sinnkrise, Panikanfall. Direkt shoppen gehen und den inneren kleinen Kaptalisten füttern, bevor das Gewissen wieder zuschlägt und ich ein Yogi werden will. Das ist wie mit dem rauchen aufhören. Umso mehr man darüber nachdenkt, wie schlecht das alles doch ist, desto mehr überkommt einen dieser Schwall Adrenalin, den man erst mal bewältigen muss. Auf den Schock muss man dann natürlich eine Zigarette rauchen. Aber ist ja klar, zwischen all den neuzeitlichen Missionaren ist es schwer, sich der richtigen Strömung anzuschließen. Die eine, die einem am nächsten kommt, mit der man sich möglichst reibungsfrei identifizieren kann und der Fülle der Angebote nach zu urteilen, grenzt das für mich schon lange an Lifestyle-Terrorismus. Je größer die Stadt, desto verlorener der Bürger. Vielleicht aber auch je mehr interkulturelle Strömung, desto kürzer das Gras am Ufer, an dem man sich festhalten kann. Da wird man dann einfach weggetrieben und trifft seinesgleichen auf dem Weg in Richtung Niagara Fälle. 

"Hey, du auch verloren im Mainstream? Ach ja, Individualismus - das ist doch der Klotz, den die am Bein hatten, die schon untergegangen sind. Oder?" 

Die wenigen, die es schaffen ihren Individualismus zu nutzen, treffen entweder den Zeitgeist per Zufall, oder sind eine brutal gute Marketingmaschine. Individualismus ist genau so lange cool, wie man Geld damit machen kann und der Erfolg das Gepöbel aufwiegt, oder so sehr in sich selbst ruht, dass man den eingebauten Buddha hat. Ohne Yogakurs. Sowas wie den Obelix des inneren Friedens oder sowas.

Ich bin auf jeden Fall ein Alien und bediene meist sogar nicht einmal die Anforderungen an mich selbst, weil sie bei genauerem Betrachten doch wieder versteckte Seelenknechtschaft rufen. Das geht dann eine Weile gut und dann verliere ich mich wieder in der Sinnlosigkeit meiner Ziele. Ich mag den Scheiß 'Trend' nicht mehr mitmachen, weil es doch nur ein "mehr oder weniger kacke" dabei gibt. Irgendwer ist immer hübscher, dünner, besser, erfolgreicher und vor allem: vermeintlich zufriedener. Ich beneide die meisten aber eigentlich gar nicht, weil ich ja als Außenstehender nur das Gold glänzen sehe und vor lauter Korona nicht die Kratzer, die mindestens auf der Rückseite drin sind. Auch goldene Türklinken werden geputzt. Gerade muss ich ein bisschen schmunzeln, weil mir eigentlich noch nie was an Edelmetallen gelegen hat. 

Diamonds are a girls best friend

Nicht für mich. Wenn ich die Wahl zwischen einem Diamanten und einem guten Gespräch bei Currywurst und Apfel-Gär habe, nehme ich Letzteres. Dabei frage ich mich einfach nicht mehr nach der möglicherweise fehlenden Konfrontation zwischen mir und dem Wort Trend, sondern simpel: Was will der Scheiß von mir und bin ich der richtige Ansprechpartner? Wenn mein medienorientiertes Bauchgefühl mir sagt, dass ich die Inhaltsstoffe vom Instantkaffee auf Fairtrade, lebensfeindliche null Kalorien und sämtliche Allergene abchecken muss, brauche ich den Wasserkocher gar nicht anstellen, weil ich an der von mir gewünschten Wirkung vorbei schieße. Das propagierte Bewusstsein für die Welt in der wir leben, überfordert meine Kompromissbereitschaft bisweilen und ich sehe mich gezwungen, einen klaren Schnitt zu machen. Sozusagen der lebensrettende Luftröhrenschnitt in meinem Konsumverhalten. Ab morgen werde ich aus Vernunft aufhören zu atmen, Nahrung aufzunehmen und sämtlichen kapitalistischen Verführungen widerstehen. Aber bis zu meiner anstehenden Entsagung aller weltlicher Freuden, genieße ich den Abend noch einmal mit einem Instantkaffee, hyperaktiv machenden Schokokeksen mit Aspartam, einem Schaumbad auf Erdölbasis und einer Runde geistiger Verblödung vor der Playstation oder sowas ...

Was will der Scheiß von mir?

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