Samstag, 21. November 2015

Was macht eigentlich... Melbourne?


Die Stadt der tausend schönen Sonnenauf und -untergänge.

Melbourne am Morgen, 2013

Es ist schon ein paar Jahre her, dass ich das letzte Mal in Melbourne war. Fast drei, um genau zu sein. Zum ersten Mal war ich 2010 in Melbourne, im November. Realitätsschock - geplant waren sechs Monate und geworden sind es vier Wochen. Pleite, keine Jobs, falsche Saison für Backpacker. Aber was die Stadt an Kultur und Trendwegweisern zu bieten hat, fand ich enorm. Alleine die Union Lane ist eine Besichtigung wert. Ständig verändert sich diese Gasse, die von oben bis unten mit Graffiti zugekleistert ist. 

Über den ganz eigenen Tanzstil muss ich denke ich kaum etwas sagen, der ist so bekannt, wie die Stadt. Melbourne Shuffle. Überhaupt ist diese zweitgrößte Metropole in Oz, ein Schmelztiegel der Kulturen und der Freigeister. Einige Gesichter, die man mit der Stadt in Verbindung bringt, haben es zu weltweitem Erfolg gebracht. Unter anderem zählen hierzu Vanessa Amorosi, Cate Blanchett, Dub FX, Mark Evans, Gotye, Liam Hemsworth und natürlich Kylie Minogue. Schon 2010 war ich irritiert von der riesigen Anzahl an Hipstern und Drogenopfern. Morgens um zehn, hinter den Mülltonnen an den Docks. Junge Leute in meinem Alter, die die Stadt nicht auffängt, die sich zerfeiert haben, ihren Rush in der Gosse auskurieren und die, die auf einem schlechten Trip durch die City irren, seltsam verwirrt wirken und Pupillen haben, so groß wie der Mond. Trotzdem lebt diese Stadt eine Vibration, die sich sonst nirgends findet.


Union Lane, 2013

Diese Mischung aus modernen Wolkenkratzern, viktorianischen Altbauten, französischem neorennaissance-Stil wie der Flinders Street Station und den zahlreichen, zeitgenössischen Kunstobjekten, ist einfach einzigartig. Australien hat es verstanden, wie man aus einer Strafkolonie eine Weltmetropole mit nostalgischem Flair macht. Zumindest optisch. Das Angebot an Kunst und Kultur hat mich beide Male, die ich dort war, fast erschlagen. Vom botanischen Garten über den Club Alumbra in den Doclands, bis hin zum gediegenen Nachmittagskonzert der Federation Bells, kann ich alles empfehlen. 

Kulinarisch hat Melbourne ebenso viel zu bieten und überzeugt alleine schon beim Fastfood mit asiatischen, italienischen und deutschen Einflüssen. hochwertiges Sushi to go, wie bei uns Döner und das typische public BBQ in den vielen Parks der Stadt, fand ich ziemlich entspannt. Generell ist die Stadt aber in der oberen Preisklasse, wie alles in Oz. Lebensmittel sind hier einfach nicht an unsere Preise in Deutschland angelehnt und sowohl Fleisch, als auch Gemüse und Alkohol sind in Australien teuer. Dafür entschädigt die Mentalität der Australier fast alles. Wie auch sonst in Großstädten, fällt man hier schnell genauso tief, wie man hoch fliegen kann und die Kriminalitätsrate ist in Australien vergleichsweise hoch.

Für mich sind vor allem Melbourne und die Südküste immer wieder eine Reise wert, weil die Landschaft, die Menschen und das Nachtleben so einzigartig sind. Wer gerne surft, ist an der zwei Autostunden entfernten Südküste genau richtig und trifft am Bells Beach auf seinesgleichen. von Torquay bis Port Campbell besticht diese hunderte Kilometer lange Landstraße, mit einer spektakulären Aussicht auf den türkisenen Ozean, Eukalyptuswälder und lädt überall zu einem Abstecher abseits der Straße ein. Nationalparks, Aussichtsplattformen, Leuchttürme und Felsformationen vor der Küste, haben meinen Aufenthalt in Australien mehr als unvergesslich gemacht.


Apollo Bay, 2013

Lorne, 2010

Gerade laufen in Melbourne ein paar Ausstellungen, die einen Besuch wert sind. Mich persönlich interessiert zum einen eine Fotoausstellung von Bob Munro, der die visuelle, "tektonische" Poesie des Federation Square Atrium eingefangen hat. Eine Komposition aus Glas, Metall und Sandstein, festgehalten mit der Kamera und ausgestellt in zweidimensionaler Farbe. Diese Art von Architektur reflektiert den Zeitgeist der Stadt und verdeutlichst, wie gut man alt und neu koexistieren lassen kann. Weiterhin findet zurzeit eine Ausstellung zum Thema Docklands in den Neunzigern statt, die einen Einblick in die frühe Rave- und Elektroszene der Stadt bietet. Hierbei kann man den Melbourne Shuffle lernen, Rave-revival-Partys besuchen und den schlimmsten Neunzigerkram aus dem Kleiderschrank holen, der da in den staubigen Ecken noch rum fliegt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der kulturellen Fusion aus Identität, Gesellschaftlicher Klasse, Geschlecht und wegbereitenden Musikstilen, die damals stattgefunden hat. Gerade die elektronische Musik hat diese Stadt nachhaltig geprägt und ist auch heute noch ein fester Bestandteil der Partykultur von Melbourne.
Wer sich gerne mit träumerischen Sphären befasst und auf Kinderbücher steht, kann sich die Ausstellung von Elise Hurst ansehen, deren Ölgemälde ihr Kinderbuch "Adelaide's secret world" zieren. Die Künstlerin versteht es, die Geschichte der Stadt Adelaide in einer traumhaft schönen, farbenfrohen Tiefsinnigkeit darzustellen.

Melbourne wird nicht zum letzten Mal Ziel meiner weltlichen Neugierde sein und bleibt bis dahin hoffentlich so kreativ, offen und innovativ, wie ich es kennengelernt habe.

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