Dienstag, 1. Dezember 2015

Weltaidstag

Immer wenn ich Panik bekomme, weil mein Körper mir unbekannte Macken hat, denke ich daran. Der liebevoll boshafte geistige Auswurf "Aidskrebs", der einem die Nacht und die innere Ruhe raubt. Dabei ist er gar nicht so weit her geholt. Jeder kennt bestimmt mindestens einen, der das eine oder das andere hat. Auch, wenn Krebs wesentlich wahrscheinlicher und offensichtlicher im Umfeld kursiert. Ja, wir können nicht all unsere Probleme weg ignorieren, aber in kleinen Stufen ein großes Ganzes ergeben. Dieser Tag ist ein Anflug von Wohltätigkeitssinn für die, die es nicht haben, aber sich dadurch bedroht fühlen oder einen kennen, der es hat. Ignoranz von denen, die sich sicher fühlen und lieber was anderes lesen. Bedrohlich für die, die sich nicht sicher sind, ob sie es vielleicht haben. Aber wie so oft ist es schwer, sich in einem sinnvollen Maß mit den Katastrophen auseinanderzusetzen. Verzweifeln nein, trauern und daraus lernen, vielleicht etwas verbessern ja. Forschung betreiben, vorausschauend handeln und lernen, Vertuschung von einer Farce zu unterscheiden. 

Vielleicht ist das in der heutigen Zeit der medialen Überflutung einfach auch kaum mehr möglich. Zu viele Meinungen und zu wenig Bauchgefühl. Aber wen wundert's, in einer Welt, in der Bäuche mittels Fitnesscenter und Photoshop auf ein lebensfeindliches null-Fett-Maß runter reduziert gewünscht werden. Eine noch immer nicht heilbare Seuche kursiert um die Welt, frei von kulturellen, politischen und sozialen Barrieren. Fast. Interkulturelle Sozialkompetenz hilft dabei, die Vorurteile und die Ansteckung zu verringern. Verringern. Ist auf jeden Fall realistischer als ausrotten. Dabei denke ich an den Bericht über dieses Mädchen, das von Geburt an positiv ist und ihr Weg zum Erwachsenwerden. Viele Gründe, viele Schicksale. Nicht nur dort, sondern auch in Krisengebieten, im Altersheim, im Flüchtlingslager und in den Wohnzimmern, Hängematten und Hinterhöfen dieser Welt. Vergewaltigungen in Indien, Skandale in Politik und Wirtschaft. 

Missstände überall. Und dabei soll man noch die Kraft aufbringen, sich auf das Leben zu konzentrieren, sich daran zu erfreuen und möglichst in der Gesellschaft zu funktionieren. Dann wird man noch gefragt, wieso man den Zynismus nicht abstellen kann und rollt mit den Augen. Einfach so halt. Nachrichten nerven, Schule nervt, Job nervt... Mannigfaltig und Weihnachten steht ja auch noch vor der Tür. Alljährliches Familienzusammenführungsroulette. Wer wird dieses Jahr die Feier mit einem unangebrachten Spruch sprengen? Ganz ehrlich? Ich freue mich darauf, weil ich es dieses Jahr nicht erleben werde. Dieses Jahr werde ich mein allererstes, zweisames und veganes Experimentweihnachten feiern. Ohne Braten, ohne Familie, nur mit meiner besten Freundin, die vegan lebt. Weil Essen ein wichtiger Teil unsere Feierkultur ist, werde ich mich dieses Jahr komplett von den Selbstverständlichkeiten entreizen. Aus Prinzip, denn ich bin ein meist empathisches, soziales Wesen. Wenn ich in einem veganen Haushalt eingeladen bin, bringe ich kein Steak mit. Auch nicht wenn ich wie jedes Jahr nicht irgendeinem vielleicht existenten Messias huldigen werde, der schon lange durch seine ganz eigene Kapitalismusindustrie ersetzt wurde. Weihnachtsmann von Cola vs. Christkind. Egal, Hauptsache einer bringt das, was auf dem Wunschzettel steht. 

Zumindest für den Großteil der Bevölkerung, denke ich. Dabei erfreue ich mich an der Einstellung meines iranischen Bekannten, der Weihnachten feiert. Nicht wegen dem Jesusding, sondern weil er sagt, jedes Fest hat einen Reiz, wenn dabei Menschen zusammenkommen und sich freuen. Top! Ich werde demnächst auch alle Kulturfeste feiern, bei denen es gutes Essen und Musik gibt und ich nicht wegen einem Dress-fail rausgeworfen werde. Im Übrigen feiere ich dieses Jahr Weihnachten ausnahmsweise nicht am 24., sondern am 25., weil sie Engländerin ist. Die Zeit zwischen den Jahren werde ich nutzen, um mich mit der Frage nach dem Wesentlichen in mir und dem Jahresrückblick zu befassen. Viele Ideen, Worte und Erkenntnisse haben dieses Jahr mein Leben bereichert, erschwert und verändert. Ohne all dieses Chaos und die Geschehnisse, gäbe es nichts zu reflektieren. Keinen Input, um nach der besseren Lösung zu suchen. Inspiration, Kreativität und große Emotionen, die wir uns wünschen und verdammen, schenken können und für immer mit uns rum tragen. All das kommt von außen und wäre ohne all die Nachrichten nicht greifbar. An dieser Stelle möchte ich aus ganz persönlicher Sicht einfach all denen Danken, die aus Überzeugung dazu beitragen, dass die Welt voller Informationen ist. Vielen Dank liebe Blogger, Forscher, Journalisten, Aktivisten, Politiker und Unternehmen, deren Denken und Handeln unsere Welt mit Inhalten füllen.

Kommukation ist die einzige Waffe, die ich dulde.


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