Samstag, 31. Dezember 2016

Schluss, aus und vorbei? - Meine unformatierten Gedankengänge zum Thema Beziehungsunfähigkeit meiner Generation

Das erste Jahr nach der Trennung ist vergangen und ich versuche in Worte zu fassen, wie sich mein Bild über Beziehungen in den letzten Monaten verändert hat. In unzähligen Gesprächen mit den unterschiedlichsten Leuten gab es ebenso unterschiedliche Ansichten. Vieles aber gleicht sich – die Angst keinen Partner zu finden oder keinen zu wollen, die Angst sich selbst nicht zu finden und die Frage nach dem besten Beziehungskonstrukt.

Es ist erschreckend, wie oft ich in der letzten Zeit höre, meine Genereation sei beziehungsunfähig. Ist das so? Ich glaube nicht. Der Zeitgeist suggeriert es uns aber. Warum? Oft habe ich das Gefühl, viele Menschen mit denen ich rede, über die ich lese und die ich beobachte, haben ein emotionales Bore-out und Burn-out zugleich. Sie sind fest in dem Glaube, unfähig zu sein zu lieben, weil Liebe so ein ungreifbarer Begriff ist. Einer, den wir gemäß der Zeit und deren Selbstdarstellung nicht in eine Schublade packen können.

Sonst müssen und können wir das doch auch – alles hat seine Ordnung – oder zumindest ein Label, welches den anzustrebenden Umgang mit allem in unserem Leben vorzugeben hat. Hauptschule, Realschule, Gymnasium. Drei Weichen. Uni, Ausbildung, Backpacken. Homo, hetero, bi, dumm, schlau, gesellschaftsuntauglicher Freak. Immer diese Fronten, in die alles eingeteilt, bewertet wird, was wir tun. Gegen Kategorisierung, gegen Sexismus (...) Ich verfolge diese Diskussionen mit Bauchweh.

Irgendwie habe ich das Gefühl, wir sind spießiger denn je, getrieben zu bestehen, in einer Arbeits- und Gesellschaftswelt, die von uns verlangt flexibel und voller Expertise zu sein und dennoch belastbar und beständig. Wo sind wir als fragende und hinterfragende Wesen darin? Und damit meine ich nicht nur die philosophische Auseinandersetzung mit dem Dasein und dem Wesen dessen an sich, sondern viel mehr ein Selbstverständnis für uns. Ein Bauchgefühl, was uns gut tut, uns weiterbringt und dabei unsere Balance aus Emotionalität und Leistungsfähigkeit aufrechterhält.

Geprägt vom falschen Wertebild der Individualität, verausgaben wir uns entweder im Zwang etwas zu leisten, zu hinterlassen und erschaffen (und gehen dabei oft einer vermeintlichen Bewegung der realen Freiheit von Konventionen auf den Leim, in dessen geschlossenem, pseudointellektuellem und avantgardistischem Kreis, doch alles ebenso uniformiert ist) oder im Nichtstun, angepasst an das Freizeitangebot des kleinen Mannes.

Start-up, Elterndasein, neudeutsche Besinnlichkeit zwischen Vegankultur und politischen Spannungen, Folkloretrend, Frustration und viel zu vielen Möglichkeiten, die uns zur Verwirklichung geboten werden. Was zum einen an der generellen Entwicklung der Gesellschaft und deren Errungenschaften liegt, und zum anderen an einer langen Periode des Wohlstandes in unserem Land. Leider wird die Bedienungsanleitung für so ein Leben nicht mitgeliefert. Denn wir sind total an dieses System aus Funktionalität und Pseudo-Individualität gewöhnt und genießen dadurch Anonymität. Wer fühlt ist angreifbar und wer angreifbar ist, fällt aus dem System. Ich meine, schauen wir uns diesen ganzen Hipsterkult doch mal an, da wird von Individualität und Innovation gesprochen und die sehen eigentlich doch auch alle gleich aus. Freiheit ist kein Trend.

Dieses Lebensschema von offenen Beziehungen oder Nichtbenennen von Beziehung (Jede Art der emotionalen Bindung und auch der nicht emotionalen Bindung ist irgendeine Form von Beziehung zu einander), ist meiner Meinung nach meist eine Geisteshaltung zur Nichtaussage. Keine Entscheidung treffen, keine Verpflichtung eingehen, keine Abhängigkeit schaffen, in einem Umfeld, in dem Abhängigkeit im Kontrast zur schnelllebigen Wegwerfindustrie steht, resultierend aus ebendieser. Zu viele Möglichkeiten und zu wenig davon hat einen Langzeitcharakter. Unsere soziale Interaktion passt sich an die Schnelllebigkeit der Wirtschaft an.

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass unsere Wertevorstellung sich gewandelt hat. Beruflich, emotional. Generation YOLO, das Anti-Erhaltungs-Programm unserer Zeit. Auf der einen Seite sind wir so kommerziell orientiert wie nie, und auf der anderen versuchen wir Werte zu schaffen, die Nachhaltig sind. Meine Generation spaltet sich in zwei Fronten auf, die sich entweder zu viele Gedanken macht oder gar keine. Irgendwo dazwischen befinden wir uns als reale Menschen und finden uns selbst nicht, weil Findung aus wirtschaftlicher Sicht Stillstand ist.

Das ist so wie mit der Pharmaindustrie. Es gäbe funktionierende Methoden und Medikamente, weil die aber zu gut sind, wird damit nicht langfristig verdient. Es soll am Leben halten und das möglichst lange. Heilen steht nicht zur Debatte, damit verdient man nicht. So ist es auch im technischen Bereich. Immer erst fünf nach zwölf wird gehandelt, weil man so viel wie möglich finanziell davon profitieren muss. Nun ja, was bedeutet dieser Zwiespalt auf Effizienzdenken und Selbstfindung?

Leistungsdruck haben wir bereits im Kindergarten: Helikoptereltern und so weiter. Was das für unsere Persönlichkeit bedeutet, ist meiner Meinung nach sehr sehr schwer greifbar. Die einen gehen in diesem Zwiespalt aus Unter- und Überforderung unter und die anderen Schwimmen. Meist mit dem Strom. Tot. Mit dem Bauch nach oben. Oder gegen den Strom, am Rande des Burn-out – ebenfalls schon in Schieflage.

Partnerschaften unterliegen auch diesem leistungsorientierten Zeitmanagement, passen eigentlich gar nicht in das Anforderungsprofil an uns Bürger. Wir sollen Werte schaffen, sie vermitteln und aufrechterhalten und leben in einer Welt, in der ein Vollzeitjob nicht reicht um eine Familie zu ernähren. In der wir bis 35 an unserer Karriere feilen um dann festzustellen, dass wir von der Pubertät direkt in die Midlife Crisis rutschen. Alleine das Wort „Job“. Was zur Hölle ist das? Werteverfall. Ich jobbe. Ist das Arbeit? Vom Aufwand ja, von der Begrifflichkeit her klingt es nach Aushilfe. So werden wir behandelt und bezahlt. Oft. Wenn nicht, haben wir meist so viel Verantwortung, dass wir kein Leben mehr haben. Work-Life-Balance. Was? Klingt wie eine Krankheit.

Unsere Sprache verfällt übrigens auch, was nicht an der Untermischung ausländischer Begriffe liegt, sondern an der Art, wie wir sie verwenden. Minimalismus. Wenig Zeitaufwand, viel Bla Bla mit wenig Aussage, Hauptsache es klingt lässig. Der politische Trend hält Einzug in den Privatköpfen.

Was also tun? Was für Beziehungen braucht man als Mensch eigentlich? Reicht es, Affären zu pflegen, sich die Zuneigung als Dienstleistung vom Lieblingsmenschen zu holen, Liebe als großangelegtes Weltfriedenprojekt zu sehen? Zurück zu den Siebzigern, Bruch mit dem traditionellen Konstrukt? Es geht um Treue im Kopf, jemanden nicht einsperren, frei bleiben, etwas nicht zerstören, indem man es besitzen will. Ja. Verstehe ich, macht auch Sinn, funktioniert aber vielleicht nur bedingt.

Alle Beziehungen zu Menschen sind Verantwortung und Arbeit. Da ist es wieder, das Wort Arbeit, vor dem wir uns so ekeln. Keine Freundschaft, kein Arbeitsverhältnis, keine Partnerschaft funktioniert ohne ständigen Abgleich, Kommunikation und Selbstreflexion. Wir können noch so eine gute Basis zu einem Menschen haben, wenn sie nicht durch permanente Überarbeitung und Infragestellung aufrechterhalten oder abgeglichen wird, zerbricht auch sie.

Respekt ist hier ein für mich wichtiger Stichpunkt. Den haben wir ja oft nicht mal vor uns selbst. Diese Generation ist oft faul, sich mit dem Thema Beziehung auseinander zu setzen oder übersättigt. Zu früh zu viel erlebt, das naive Weltbild erschüttert und dann begraben, anstatt es aufzuarbeiten und danach als advanced version aus ihm herauszugehen. Keine Kompromissbereitschaft mehr; die Magie ist verloren, alles wird tot-analysiert. An der falschen Stelle diskutiert. Es ist so viel einfacher, die Emotionen an die Lebensweise anzupassen als umgedreht.

Dass wir heute überwiegend glauben, offene Beziehungen oder gänzliche Entsagung der Nähe sei besser und oder einfacher, resultiert für mich aus dem Zeitmanagement unserer Gesellschaft. Uns fehlt die Reife, das Erlebte und Erlernte nicht nur in Kontext zu uns sondern auch zu anderen zu stellen. Und da wir in einer sehr Ego-zentrierten, extrem schnelllebigen [Wegwerf]-Gesellschaft leben, wird uns sozial-emotionale Kommunikation auch nur noch theoretisch vermittelt. Twitter, Facebook, Youtube.

Kaum einer weiß, wie echtes, sozial qualitatives Diskutieren geht, wie Körpersprache geht. Wie Priorisierung von Tagesabläufen geht – was wollen wir denn überhaupt vom Leben? Wie man gemeinsame Zeit annimmt und genießt, sie wirken lässt ohne sie zu hinterfragen. Wie man sich selbst zentriert und dennoch funktioniert (Ja, das ist halt so in einer Gesellschaft, auch in einer, in der man relativ wenig von der Abhängigkeit profitiert). Wir reagieren nur noch anstatt zu agieren. Wie so scheiß Marionetten.
All das ist Konsequenz aus dem Immer größer werdenden Katalog an Anforderungen durch immer mehr Möglichkeiten und dem ebenso kleiner werdenden Spektrum an realer Individualität, weil wir nicht mehr qualitativ angeleitet werden. Wie sollen wir auch gesunde Beziehungen führen wenn wir nicht mal eine gesunde zu uns selbst haben? Da sind wir wieder bei Hilfe annehmen und real Erlerntes auch umsetzen. Die, die es begriffen haben, sind meist so konsterniert, dass sie unfähig werden, sich wieder auf etwas einzulassen.

Ich glaube ebenso an ein freies Leben als Dauerjunggeselle, als auch an funktionierende, langfristige Partnerschaften. Aber deren Gestaltung muss so individuell sein wie wir Menschen. Nur eben nicht in Form von Ausreden, die es einem leicht machen, allem ausweichen zu können, das Arbeit erfordert. Liebe ist besitzergreifend, weil sie das aus evolutionärer Sicht auch sein muss. Sie gewährleistet im besten Fall den Zusammenhalt und die Stabilität der Gemeinschaft, deren Ziel es ist, zu überleben und den Nachwuchs durchzubringen. Liebe darf und muss also zu einem gewissen Grad egoistisch sein. Die Frage ist, was man sich gegenseitig geben kann, damit man den Ausgleich aus Abhängigkeit und Nutzen daraus zieht.

Wenn wir uns selbst kennen und unser Bauchgefühl nicht beeinträchtigt ist, erkennen wir auch, wann etwas eine Basisproblematik ist, oder einfach eine Phase, die gemeinsam angegangen werden kann, ohne dass man sich trennen muss. Neuorientierung ist wichtig. Reden, ständiger Abgleich. Es gibt für nichts eine Garantie im Leben. Aber wenn man etwas scheiße behandelt und nicht pflegt, geht es eben schneller kaputt. Eine gute soziale Interaktion ist ein Werkzeug, welches nicht automatisch vermittelt wird. Aber auch annehmen, dass es mal gut ist mit der Rastlosigkeit und man sich ausruhen darf, lernen wir nicht. Alleine sowie gemeinsam.

Und dann kommt hinzu, dass sich unsere Hormone einfach nicht rational begreifen und beeinflussen lassen. Die Erfahrung sagt, dass einem z.B. ein bestimmter Typ Mensch nicht gut tut und dennoch bleibt man auf diesem Opferschema kleben. Sich „verlieben“ unterliegt meist ganz primitiven, biologischen Strukturen, auf die wir aus Sicht des Verstandes keinen Einfluss haben. Hormone sind kleine fiese Dinger, die uns willenlos machen. Liebe sehe ich noch einmal gesondert von diesem Gefühl der exzessiven Schwärmerei. Liebe wächst über einen größeren Zeitraum und kann unterschiedlichste Formen annehmen.

Meine Beobachtung sagt, oft verlieben wir uns in etwas, das man gar nicht rational beziffern kann, oder in Eigenschaften, die man gar nicht verwenden und annehmen oder erbringen kann. Was wir nicht haben können, zieht uns an und vor allem in den Bann, es verändern und verstehen zu wollen. Daneben haben wir doch als eigenständige Persönlichkeit (die da irgendwo unter dem Zombie vergraben ist) meist gar keinen Platz, weil das Menschen mit entweder harten Neurosen sind oder einem so krassen Lebenskonstrukt, dass wir darin untergehen oder nicht mithalten können, in die wir uns „verlieben“.

Wir sind immer Opfer unsere Biochemie, können maximal rational entscheiden ob wir uns darauf einlassen oder nicht. Aber ob wir von etwas loskommen oder nicht, entscheiden wir nicht auf dieser reflektierten, mentalen Ebene. Was ich allerdings im Umkehrschluss immer wieder beobachte, ist dass es ein Schutzprogramm in uns gibt, das gerade bei kopflastigen Menschen sehr effektiv Partnerschaften verhindert, die funktionieren könnten. Warum?

Diese aus der Sicht unseres gesellschaftlichen Zeitgeistes emotional "überqualifizierten Vieldenker" verlieben sich u.a. nicht mehr einfach, weil wir Menschen unbewusst feige und verängstigt sind. Uns fehlt das Bauchgefühl zu allem, weil es in unserer Gesellschaft keine Bäuche geben darf. Nur Köpfe. Der Mensch neigt dazu, sich Aufgaben zu suchen, die unlösbar sind oder nicht verfüllen. Weil wir nicht gelernt haben, mit dem glücklich zu sein, was wir tatsächlich erreichen können, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind. Ich muss ganz klar sagen, es war für mich immer das Potenzial eines Menschen, in das ich mich verliebe. Ich sehe etwas potenziell in einer Person und musste das bisher immer ums Verrecken lebendig machen. Und es hat nie funktioniert.

Man springt auf solche Menschen mit emotionalem und mentalem Potenzial an, weil sie in einer ähnlichen Lage sind, wie wir es entweder schon waren, oder noch sein werden. Das Gleichgewicht an Lebenserkenntnissen stimmt nicht, zieht uns aber an. Natürlich könnte das funktionieren, wenn wir uns aufeinander einließen und die Erfahrung des anderen für uns annehmen würden.

Das bedeutet aber Kontrollverlust und Abhängigkeit. Die fühlt sich ungesund an, weil Abhängigkeit in unserer Welt einen negativen Charakter hat. Nur die Soziopathen kommen doch in die Chefetagen und verdienen so viel, dass sie theoretisch finanziell unabhängig von den Strukturen leben könnten, die uns unterdrücken. Ich will keiner sein, ganz ehrlich. Emotionslosigkeit und Egoismus sind zwar gute Eigenschaften um wirtschaftlich effektiv zu sein, aber nicht für den Fortbestand unserer Spezies. Ein Interessenkonflikt, der schleichend unser Bauchgefühl infiltriert.

Diese Menschen, die das begriffen haben, dass sie durch einen bestimmten Bildungsstand ganz oben landen könnten, jedoch aufgrund ihrer Emotionalität Schwächen haben, ziehen sich meist in sozialer Kapitulation zurück. Frustration bereits vor dem Handeln. Keine Angriffsfläche, keine festen Beziehungen, nichts aufbauen, Freundschaft Plus pflegen – gar nicht verkehrt – aber die Tiefe eines Teams wird das nie erreichen. Nur Teams können Schwäche auffangen. Warum lassen wir uns so viel seltener auf Ein Team ein, aus dessen Abhängigkeit wir durchaus sehr profitieren können?

Es könnte uns erfüllen und wieder genommen werden. Und dieses „genommen werden“ hat einen belehrenden Charakter für unser Hirn, einen Erkenntniseffekt, der uns sehr prägt. Wie alles Negative, das im Gehirn sehr viel intensiver haftet als das Positive. Enttäuschung und Trauer haben so einen immensen Einfluss auf unsere Entscheidungen, weil sie nachhaltiger nachschwingen. Positives und der damit verbundene Rausch an Glückshormonen flaut so schnell ab. Das Gehirn will immer mehr davon und irgendwann verliert man den Bezug zu dem, was wirklich gut ist.
Die Verhältnismäßigkeit geht subjektiv verloren. Kurzum: die Wertschätzung, die Erfüllung. Auch die zu einem Menschen. Und mit erfüllen meine ich keine Bilderbuch-Lovestory, sondern eine aufrichtige und tiefgehende Partnerschaft, weit intensiver als jede Freundschaft, jedes Techtelmechtel und jeder heiße Sex. Es macht auf eine sehr angenehme Art abhängig ohne einzuengen und wenn das weg fällt, ist der Halt in uns selbst weg, den wir eigentlich gar nicht haben.

Das wird uns aber so suggeriert und dementsprechend haben wir ein oftmals sehr verschobenes Selbst- und Weltbild, und passen uns unbewusst an eine Geisteshaltung an, die wir eigentlich anprangern. Wir fügen uns in ein System der fehlenden Wertschätzung von langlebige Projekten – vor allem dem Projekt Selbstliebe und Mut zum Anderssein, zum wirklichen Individualismus. Mut zur völlig selbstverständlichen Schwäche.


Vielleicht sollten wir mal versuchen, uns von diesem Gedanken zu verabschieden, dass alles unendlich und für immer sein muss. Dadurch leben wir doch nahezu nur in Vergangenheit und Zukunft und weitestgehend fern der Gegenwart. Ein bisschen mehr Vertrauen in das Jetzt und eine offene Bereitschaft zur ehrlichen Kommunikation mit anderen vermeidet meiner Meinung nach sehr effektiv Spannungen, die irgendwann eine ganze Beziehung und den Glauben an funktionierende Partnerschaften zerstören können.

Dienstag, 27. Dezember 2016

Rezension für "Das Flüstern der Pappeln" von Julia von Rein-Hrubesch

Wenige Bücher lassen mich so zerrissen und komprimiert zurück, wie dieses. Gerademal 174 Seiten hat der Kurzroman, vereint jedoch auf subtile und verstörend ehrliche Weise, alle großen Fragen nach Erfüllung. 

Was bewegt uns, treibt uns an, bereichert unser kleines Dasein mit Magie? Das Lesen dieses Buches ist ein Entwicklungsprozess. Er mäandert als Bachlauf ätherisch und beinahe unbemerkt durch alle Synapsen und Körperteile, bis er letztendlich wie ein tosender Gebirgsbach in den See stürzt, in dem wir uns nach dem Buch befinden. Und das alles, ohne auch nur ein einziges bisschen Konstruktion. Das Leben schreibt eben den besten Spannungsbogen. Immer passend und selbsterfüllend.

Julia schreibt unbarmherzig ehrlich und authentisch, unverblümt, aber poetisch über die Schreckgespenster unseres Lebens. Dabei ist ihre Sprache so präzise, andeutend, laut und leise zugleich, wie sie es eben sein muss. Die Geschichte nimmt an keiner Stelle etwas vorweg, hält aber auch nichts zurück, das erklärt werden muss.

Sie handelt von der 26-jährigen Hennie, die nach ihrem Studium und dem Auslandsaufenthalt zurück auf den elterlichen Hof kehrt. Der Kontrast aus Hennies Künstlerinnen-Dasein und der beschaulichen Ruhe der bayerischen Landidylle, spiegelt und verstärkt das Verhältnis zwischen der Protagonistin zu sich selbst und ihren Eltern. Dabei findet Hennie zufällig Briefe, die ihre pflegebedürftige Oma einem Unbekannten Mann geschrieben hat und die nun wöchentlich von ebendiesem zurückgeschickt werden. Zwischen Loslassen der eigenen Vergangenheit und der Suche nach dem Geheimnis der Großmutter, habe ich mich in vielen Gedankengängen wiedergefunden.

"Eine kluge Antwort."
Ich drehe den Kopf und sehe ihn an. So ein kluger Mensch. Und jetzt ist er hier und fährt Trekker.

"Wie schön du bist."
"Äh", mache ich. "Danke."
Kerstin wirft einen Blick zu meiner Mutter, dann betrachtet sie mich aufs Neue. "Was ist das nur mit euch? Sind das die Gene?"
Kannst ja mal hochgehen und die Gene anschauen, die in der Scheiße liegen. Das würde ich gern sagen.

Was wäre die Alternative? Mit einem Künstler auszugehen? Die sind leidenschaftlich, ja. Aber die  Leidenschaft ist auch dunkel. Das ist sie immer.

Vielleicht renne ich auch über den langen Flur, damit er mich nicht zwischen seine Finger bekommt. Seine langen dürren kalten Finger, die vielleicht auch nur das Mondlicht sind.

Ein heilsames und aufwühlendes Buch über Tradition und Neuerung, Selbsterkennung, Freiheit, Leidenschaft und Akzeptanz. Eine Geschichte, deren Handlungsraum so klein ist wie eine Theaterbühne, und eine Bildgewalt hat, wie eine Landschaftsmalerei von Caspar David Friedrich. Eine Geschichte, die keinen aufgezwungenen moralischen Lehrwert, sondern einen emotionalen Mehrwert innehat. Ganz wundervoller Stoff, den ich mir in ein paar Jahren als Arthouse-Verfilmung wünschen würde.

Vielen Dank für dieses großartige Stück Literatur, liebe Julia!

Julia von Rein-Hrubesch "Das Flüstern der Pappeln" // erschienen bei Amazon // Taschenbuch und eBook
ISBN: 978-1533420381

Bild: https://www.amazon.de/Das-Fl%C3%BCstern-Pappeln-Julia-Rein-Hrubesch/dp/1533420386/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1488048205&sr=8-1&keywords=das+fl%C3%BCstern+der+pappeln

Sonntag, 18. Dezember 2016

BOOK GOES POP ART Teil 5 // Michaela Stadelmann

Von Beruf Mensch, dann lange nichts, dann Lektorin für Belletristik, Texterin und Hybridautorin

Selten war mir eine Vorstellung in wenigen Worten so sympathisch, wie diese. Wer ist diese multi-engagierte Michaela Stadelmann eigentlich? Dieser Frage gehen wir heute mal unkonventionell nach.

Michaela ist auch bekannt als Mikaela Sandberg, Alicia Mirowna und Bettina Unghulescu. In den letzten Jahren hat die gebürtige Niederrheinerin als geprüfte psychologische Beraterin, Lektorin und Schriftstellerin gearbeitet. Außerdem ist sie sehr aktiv, wenn es um andere Autoren geht, deren Werke sie gerne vorstellen und unterstützen möchte.

Schon so manches Mal habe ich mich gefragt, wo die Energie für diese kreativen Ideen bloß herkommen. Vielleicht bleibt das ihr Geheimnis. Wer sie, so wie ich, einmal live und in Farbe getroffen hat, weiß, dass sie eine ganz besondere Aura umgibt. Mit ihr möchte man sofort über die Welt, das Schreiben und den Unfug des Alltags reden.

Bei Michaela hat man das Gefühl, dass es keinen Anfang und kein Ende in einer Unterhaltung gibt, sondern alle Themen übergreifend ineinander und zueinander (zurück)führen. Ein bisschen spiegelt sich meine Sicht auch in Michaelas Eigenvorstellung wieder, die ich euch auf keinen Fall vorenthalten möchte!



Es geht immer um den Moment. Gerade bin ich hellwach, meine Gedanken sprudeln. Ich schreibe nur jeden dritten Satz davon auf. Vielleicht wäre der Rest informativer, aber nicht die Wahrheit. Allein die harten Fakten zählen: Seit der Geburt am Leben. Atmend, essend, schlafend. Gar nicht mal so oft schreibend, zu viel denkend, eine nicht fassbare Brücke zu Emotionen bauend, die durch Worte endgültig abstrakt und unbegreiflich werden. Mit dem Schreiben verlagert sich mein Geist nach außen, den ich rationell erfassen muss, um ihn - nicht nur beim Schreiben - einzufangen. Zwischen den Phasen meiner heimlichen Arbeit findet fest gefügtes Leben statt. Brauche es, um aus dieser Wirklichkeit Kraft für meine Zwischenwelt zu schöpfen. Ich wäre gern glückliche Bürokraft geblieben, um mich dort zu verankern, wo die anderen Menschen leben, hat aber nicht funktioniert. So füge ich mich dem ewigen Augenblick des Dort-Ankommen-Wollens. Nachher nicht vergessen, den Text durch ein virtuelles Netz an andere Einzelgänger abzuschicken. Werde mich danach mehr als Person und weniger isoliert fühlen - und trotzdem außer mir bleiben. Schreiben macht einsam.


Michaela Stadelmann - Zeichnung von Nika Sachs. Aktuelles Werk von Michaela: Mikaela Sandberg - Schweig still // erschienen bei Midnight (Ullstein),
ISBN 978-3-95819-089-4

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Schon wieder Reise für Lukas - ein Update meines aktuell fertiggestellten Romans

Ein bisschen zum Heulen ist mir ja schon, jetzt, wo mein Lukas aka Luc aufgehört hat, Tagebuch zu schreiben. (Er hat das natürlich getan, weil er wegen seiner Familie keine Zeit mehr dazu hat und sein therapeutisches Bedürfnis nicht mehr so groß ist.) Aber er hat ja auch lange geschrieben, über einen Zeitraum von sechs Jahren und das könnt ihr hoffentlich bald lesen.

Konkret bedeutet das, dass ich das Buch fertig geschrieben und: bei der Agentur eingereicht habe. (Nika in stiller Panik) Etwa 320 Normseiten hat das Buch. Es gab drei komplette Versionen von dieser Geschichte, welche sogar ursprünglich mit 750 Normseiten aus Ingas Sicht erzählt war. Wer sie aus den Kurzgeschichten hier noch nicht kennt, Inga ist die Ex-Freundin von Lukas. Etliche Szenen und ein ganzer Plotstrang sind bei der endgültigen Version rausgeflogen. Dafür sind neue und hoffentlich gute, hinzugekommen. 

Dieses Buch liegt mir sehr am Herzen, weil es viele Themen aufgreift, die ich gerne häufiger und qualitativ hochwertiger in der Literatur behandelt sehen würde. Noch immer erschreckt es mich, wie viele meiner männlichen Bekannten Depressionen haben, nicht darüber reden oder nicht aus ihnen hinausfinden. Auch das Thema Polyamory wird von vielen Leuten, die mir begegnen, eher belächelt. Es ist gar nicht so selten, in meinem Bekanntenkreis. Ganz weit vorne dabei, natürlich, auch das Thema BDSM, welches durch Shades of Grey massiv kommerzialisiert wurde. ich musste damit ein bisschen aufräumen, weil ich dieses Thema so wichtig finde und die Diskussion darüber für nötig halte.

Was passiert eigentlich mit uns, wenn wir uns gegenüber Tabuthemen öffnen und unsere Grenzen testen? Das sind nur ein paar Eckpunkte, die ich in Lukas' Tagebuch aufgegriffen habe. Wer möglichst krassen, kranken, unrealistischen und geschönten Sex erwartet, wird ihn hier nicht lesen. Aber kreativer, auch mal brutal schieflaufender und zärtlich-gewaltsamer Sex - mit und ohne Liebe - ist ständiger Bestandteil seines Lebens.

In diesem Buch gibt es keine gestriegelten, perfekt gestählten echten Kerle, nur ein einziges "Topmodel-Weibchen" (nur optisch), keine standard-naiven Girlies und hoffentlich nicht allzu viele Schocker oder öden Szenen, die das Buch in seiner Absicht verfälschen. Der ganz normale Alltagswahnsinn eben. Zumindest aus meiner Lebenserfahrung heraus ... Life - Results may vary.

Ach ja - Absicht. Ja, die hat das Buch auch. In erster Linie möchte ich den Leser unterhalten, das ist klar. Aber ich möchte ihn auch zum Nachdenken anregen, zum Reflektieren, in eine verbotene und unbekannte Welt einsteigen und vielleicht auch toleranter werden lassen. Lachen wäre auch nicht verkehrt, erröten auch nicht. Kopfkino ist erwünscht. Bisher kam all das vor, wenn ich meinen Testhörern vorgelesen habe. Am liebsten sind mir die Männer, die sagen, dass sie sich in meinem Protagonisten so sehr zu Hause fühlen, dass sie sich durch das Buch emotional bedrängt und durch ihr Gewissen bedroht fühlen.

Nein, meine Herren - nicht, weil ich euch verstören will, sondern, weil ihr mir bisher recht gebt, dass ich authentisch schreibe.

Ich mag euch ziemlich, deshalb sind 99% meiner Freunde auch seit ich denken kann Jungs, später Männer. Es war mir ein persönliches Anliegen, euch gedanklich ein bisschen näher zu kommen, denn mit euch komme ich schon immer am besten aus. Aus diesem Grund habe ich viel mit besonderen Exemplaren eurer Gattung über dieses Buch geredet, mir Rat geholt.
Ja, es gibt sie wirklich, diese Metal-Emos, die übersinnlichen Sexsuchtis mit Hirn, die depressiven Philosophen mit Hochbegabung und Selbstzweifeln, die Checker, deren Frauenliste weit im dreistelligen Bereich liegt, die trotzdem eigentlich nur die eine und Familie wollen. Vor allem kenne ich eine Menge eurer Art, die sich lange in Drogen geflüchtet haben. Es hat mich traurig gemacht, das viele Jahre zu beobachten.

Deswegen schreibe ich mal aus Frau (oder mental etwas zwischen Mann und Frau - Geschlecht ist was für Schubladen) mutig aus der Sicht eines Deutschfranzosen, mitte Zwanzig (der Schizo-Gespräche mit seinen Teufelchen auf der Schulter und dem Karma führt). Ich schreibe über seinen emotional-sexuellen Egotrip (eine Weile auch auf Koks, weil ich das im direkten Umkreis häufig miterlebt habe), Philosophie und einer Menge kreativem, dämlichen und gruftig-schwarzem Humor.

Weil man schwere Themen nur mit Humor verständlich machen kann, ohne, dass man am Ende das Gefühl hat, sich in einem Gemälde von Hieronymus Bosch zu befinden. Aber ich mag die Gemälde von ihm eigentlich. Meine sind nicht so ... höllenhaft, wenn nur höllisch stümperhaft. Ich zeichne mal trotzdem weiter, weil mir nach dem Buch jetzt der Abschied schwerfällt. Ein bisschen. Es bleibt spannend, wann und wo das Buch mit noch halbwegs geheimen Titel (Irgendwas mit Wetter und Texten ;) ) erscheinen wird. Alle Infos findet ihr natürlich weiterhin hier!

Herzlichst,

eure Nika - die Stimme des Bordsteins

Alles ein bisschen, aber nichts perfekt. Hauptsache man tut.

Selbstfindung - eine Gleichung aus den drei Unbekannten Zeit, Geld und Durchhaltevermögen

Es ist schwer, in einer leistungsorientierten Gesellschaft deutlich zu machen, dass man nicht mehr anders kann als sich selbst zu schützen. Ich schreibe nicht, weil ich der Meinung bin, jeder halbwegs interessante Mensch muss mal ein Buch geschrieben haben, weil es total "in" ist, sich in Lettern verewigt zu haben.

Meine Freundin sagte letztlich, in Berlin habe so ziemlich jeder gerade ein Buch geschrieben. Meist über Depressionen und oder irgendwas mit Gesellschaftskritik. Dass ich zufällig vor fünf Jahren Anfing genau darüber auch ein Buch zu schreiben, entsprang keinem Trend, keinem Bedürfnis mich an anderen zu messen. Vielmehr war es ein Resultat aus dem, was ich erlebt, gesehen habe und spannend fand, und: was ich gut konnte. Gefühle. Auch und besonders, die beschissenen. Selbst bin ich nicht tief-depressiv, wenn, habe ich depressiv-melancholische Episoden. Schreiben ist für mich ein instinktives Bedürfnis, beinahe (streichen wir beinahe) neurotischer Drang. Es gehört zu mir und das war mir in den letzten zehn Jahren nicht klar genug.

Was vorab geschah:

Vor genau zehn Jahren schrieb ich Abitur, an einer Gesamtschule im idyllischen Südhessen. Ich hatte durchgängig einen Zweierschnitt, eine katastrophale Schwäche in Mathe und eine offensichtliche Hochbegabung im kreativen Bereich. (Schon seit ich denken kann und sie war immer Fluch)
Während der Mittelstufe hatte ich einen grandiosen Deutschlehrer, der mich im freien und interkonnektiven Denken sehr gefördert hat. Meine Noten in Deutsch waren aufgrund der Liebe zum emotionalen Detail der Geschichten immer auf Eins. bis heute kann ich Grammatik und Rechtschreibung nur so mediumgut, weil ich Texte nicht zweidimensional analytisch lese.

Oft stehe ich auf dem Schlauch, weil ich viele Fremdwörter nicht kenne, Politik nicht weitsichtig genug verstehe, aufgrund einer Besonderheit an mir, andere Menschen nicht gut "lesen" kann. Ich bin schon immer unsicher, ob ich etwas richtig interpretiere, weil es mir so unendlich viele Ebenen eröffnet. Nur selbst kann ich diese Ebenen klar zeichnen und schreiben.

Mir war aber klar, dass ich lesen und schreiben will, weil ich den Effekt der Auflösung, des Falls, der Dramaturgie einfach liebte. Dann kam die Oberstufe und ein Lehrer, der gerne alles stur nach Schema F analysiert haben wollte. Kreative Sprache, moderne Interpretationen und Bezüge waren ihm so fremd, dass ich mein Abi über Faust I tatsächlich mit einer Fünf verkackte. Mathe übrigens auch. Zeitgleich trennten sich meine Eltern und ich war ziemlich am Arsch. Ich wusste, ich kann Mathe mit Englisch Leistungskurs ausgleichen und Deutsch mit Geschichte. Das war mein Paradefach, beim Ex-Deutschlehrer. 

Ich kam in die mündliche Prüfung und wusste, das geht schief. Mein Prüfer war der Deutsch Leistungskurs-Lehrer. Der ekelhafte. Resultat: Blackout, mit einer Fünf aus der Prüfung. Das bedeutet, ich bin mit einem Zweierschnitt, aber einem Fach zu viel unter fünf Punkten, durch das Abi gefallen. Als Einzige im Jahrgang. Heute weiß ich, ich hätte die Prüfung einklagen und wiederholen können. Die Schule hatte damals einfach keinen Bock mehr auf den Jahrgang und dessen Probleme.

Ich ging mit einem Zweier-Fachabitur ab, wollte danach an der Uni Frankfurt Europäische Kulturanthropolgie studieren. Mit einem kleinen Umweg wäre das auch möglich gewesen, aber dank Umstellung der Regularien, dann genau zu dem Zeitpunkt nicht mehr möglich.

Tadaaaa, Scheiße.

Was tat ich? Mich anpassen. Also absolvierte ich eine grottenschlechte Ausbildung als Bürokauffrau in einer Anwaltskanzlei und wurde so von mir selbst dezentriert, dass ich völlig abschmierte. Erst mit 23 ging ich in Therapie und erfuhr, dass ich unter anderem Synästhetikerin bin. Also ich lese Buchstaben in Farbe und höre auch Musik in "bunt". Ich bin quasi halbsozialfunktionable Autistin. Mal mehr und mal weniger kompatibel. Wenn es mir zu viel wird und ich reizüberflutet bin, werde ich schlagartig unsicher, bekomme die Auswirkungen meines nervösen-Tick-Syndroms zu spüren und rede und mache häufig seltsamen Kram. Zumindest denke ich mir danach oft: "scheiße, Prosa, hättest du nicht einfach die Klappe halten können?"

#TeamSozialeInkompetenz

Als ich begriff, dass ich ein paar mehr autistische Züge habe als der Rest der Bevölkerung, wurde mir alles klar. Ich passe da schon immer nicht rein, weil ich tatsächlich anders funktioniere und mein Körper reagiert massiv auf kreative Unterdrückung. Der Zwiespalt aus Finanzierung, Gesundheit und Selbstfindung, hat mich viele Jahre ausgebrannt. Dann kamen die Hochzeit, das Kind, die Krise und mein Ausbruch.

Heute, ein Jahr danach, habe ich verstanden, welchen Preis Selbstfindung und -ordnung hat. Meine Ehe ist am Drang ich zu sein gescheitert, all mein Geld geht für Bildung, Reisen und Arbeitsmaterialien drauf. (Und Gin und Champagner. Manchmal.) Mein Schlafpensum liegt bei unter fünf Stunden, weil ich in zwei bis drei Jobs arbeite und mein Kind nicht verpassen will. Dieses Rumkrebsen am Limit ist derzeit nicht zu umgehen, aber ich glaube fest daran, dass es sich irgendwann gelohnt hat. Für mich. Für das Kind. Für die Menschen um mich herum, die ich mitziehen will.

Die härteste Erkenntnis neben dem finanziellen Loch ist, dass ich nicht gerne alleine bin (außer ich schreibe), aber 99% der Menschen kotzen mich an und sind inkompatibel zu mir. Warum? Ich bin zu emotional und ertrage die Lahmarschigkeit deren Denkens nicht. Büros kotzen mich an. Bücher und Bilder sind in Ordnung. Und Museen.

Innerhalb eines Jahres habe ich meine Schreibblockade durch das Abi komplett überwunden, drei komplette Bücher fertig, vier in Planung, unzählige Kontakte in die Buchbranche, sitze am Lagerfeuer mit Krimi-Bestsellerinnen und berate andere, wie sie sich selbst am besten kreativ verwirklichen. Nein, von den paar hundert Tacken für Kunst, die ich mache, kann ich noch nicht leben. Ja, meine Novelle hat unerwartet einen unglaublich intensiven Start hingelegt. Ja, ich ärgere mich, sie nicht an einen Verlag gegeben zu haben, weil Selfpublishing noch immer schwieriger ist. Aber sie war ja ein Sozialexperiment auf meinem Blog und demnach schon veröffentlicht.

Gerade ziehe ich all meine Energie aus dem Zugeständnis meiner Oma, dass ich eben so bin, wie ich bin. Aus den Leuten, die meine Novelle so wahnsinnig detailliert rezensieren und feiern, dem anstehenden Weihnachten in Berlin, den wundervollen Autoren, Künstlern und kreativen Menschen, die ich dieses Jahr kennengelernt habe, und: daraus, dass mich andere um Hilfe bitten und fragen, wenn es um Schreiben und Kreativität geht.

Ich habe wieder Hoffnung auf Entfliehen der 08/15 Arbeitswelt, die mich so ausbrennt und blockiert. Seit letztem Jahr habe ich eine Geschäftsidee, die mich neben dem Schreiben, Malen und Musizieren tragen könnte und hoffentlich kann ich sie nächstes Jahr umsetzen.

Schreiben ist für mich kein Trend, den ich nachmache. Kein Hobby und keine Dienstleistung, für die ich meine Kreativität verkaufen würde. Sie ist ein ungesunder Drang, etwas, was dringend raus muss. Leute fragen mich, woher diese Wortschöpfungen und diese Verbindungen zwischen Allgemeinwissen und kreativen Dummsprüchen kommt. Tja. Ich merke mir keinen Dreisatz, aber jeden anderen unwichtigen Furz. Genau das macht aber meine Geschichten dann so unkonventionell. Ich mache nur das, was ich eh mache. Leben.

Für Kreativität und Output muss viel getan, das vernetzte Denken muss trainiert werden. Input muss her. Das ist anstrengend, kann einen zerfressen, Existenzängste verursachen. All das nehme ich auf mich, weil Schreiben und Bildung das ist, was ich am besten kann und will.

Ich kann nicht anders und dank eurer Reaktionen glaube ich auch langsam wieder daran, dass ich mich darüber freuen sollte. Darüber, dass ich Gefühle, Sarkasmus, Magie und Unfug am besten kann.

Danke. An jeden Einzelnen von euch, der mich unterstützt, damit ich euch unterstützen kann.

Eure Prosa.

Dienstag, 29. November 2016

Was geschieht, wenn eine neurodiverse Autorin und eine Buchhändlerin ins Kino gehen - Egon Schiele


Vor etwa einer Woche warf mir der Piper Verlag bei Twitter einen Tweet in die Nachrichtenleiste, die dazu geführt hat, dass ich weit nach Mitternacht mal wieder schreibe. Konkret ging es da um Kinotickets für den Film Egon Schiele. Normalerweise überspringe ich viele Infotweets aus Zeitgründen komplett. Dieser blieb mir jedoch im Kopf, weil ich den Schauspieler auf dem Bild (Noah Saavedra), mit genau diesem Blick, ein bisschen mit dem Bild verband, welches ich in den letzten anderthalb Jahren beim Schreiben meines Protagonisten hatte. Weil ich bisher wenige bis gar keine Bilder oder Menschen fand, die dem Bild in meinem Kopf irgendwie gerecht wurden, verlinkte ich meine wichtigste Testleserin und befreundete Autorin auf meinem Retweet, die ich darüber informieren wollte.
Ich las die Info zum Film und schaute den Trailer an, nach welchem ich schon wusste, was der Film für ein Gefühl in mir hinterlassen würde. Bedrückende Leere, hinter deren Tür sich die Inspiration schreiend und wütend gegendrückt. Grauenhaft und schön zugleich.

Eben bin ich aus dem Kino raus und muss sagen – es kam genauso. Vielleicht kann ich das, was der Film transportiert gar nicht so sehr in Worte fassen, was mir als Autorin hochkomplexer und emotionaler, zwischenmenschlicher Abgründe eigentlich leicht fallen müsste. Aber dem ist nicht so. Was ich allerdings sagen möchte ist, dass es wenig Filme gibt, deren Grundspannung so hoch ist, wie bei diesem.
Dabei kann ich mich nicht entscheiden, was mich mehr belastet hat. Der Konflikt des immerfort vom Schaffen getriebenen Künstlers, dessen soziale Inkompatibilität sich mehr als einmal in der Geschichte am Stellenwert der Liebe (und deren Scheitern) zu anderen Menschen messen lässt, oder die Tristesse der Kriegszeit. Beides läuft durch die Rückblende so parallel nebeneinander her und am Ende ineinander über, dass es mich beinahe zerdrückt hat. Ich hatte genau das erwartet und war dank meiner Freundin und Buchhändlerin Wiebke auch mit sämtlichen Waffen gegen den emotionalen Absturz versorgt. Nach der Hälfte des Films war der Sekt leer und meine erste Frage war: „Können wir jetzt bitte Schnaps?“

Wenn es die herzlich-boshaft-sarkastischen Pointen der österreichischen Mentalität in den Dialogen nicht gegeben hätte, wäre mir der Film unerträglich nah, intensiv und destruktiv gewesen. Auch das mit der Mentalität ist etwas, das man vielleicht einfach lieben oder hassen muss – ich liebe es. Familiär bedingt schon immer und kann mich den ganzen Tag an dieser Kultur aus geistreichem Fluchen und Kuchen erfreuen.
Eine Sprachkultur, deren Wortwitz bereits eine Beleidigung ist, wenn der Gesprächspartner noch lacht und ab und an auch mal eine grundehrliche Liebeserklärung von Herzen, formschön durch einem Tritt ans Schienbein vermittelt. Ein bisschen empfinde ich gerade Wien immer als Stadt, in der die Leute als Baby schon mit Koks den Hintern gepudert bekommen, weshalb sie später diesen Gottkomplex gegenüber anderen an sich haben.

Ich bin unendlich froh, dass der Film authentisch im Dialekt belassen ist und die volle Bühne zur Entfaltung des Gefühls für die Geschichte nutzt. Meiner Meinung nach hat das den Effekt einer intensiven Beziehung zur Handlung und den einzelnen Konflikten der Protagonisten massiv verstärkt. Irgendwie fühlt man sich in dieser Szenerie zu Hause, versucht das zu verteidigen, was man ab der ersten Sekunde des Films in sich aufsaugt. Es fühlt sich an als ob dem Zuschauer nach und nach die Heimat genommen wird. Am besten spiegelt dies für mich der wiederkehrende Satz Schieles an seine Modelle: „bleib so.“ Nichts bleibt. Und am Ende nicht einmal das Leben.

Zwei Stunden lang geht es um das Thema Intensität. Der Film schreit nicht und dennoch sind alle großen Gefühle wie Neid, Eifersucht, Aufopferung, Liebe, Verlust, Verzweiflung und Hoffnung darin so laut, dass man nicht weghören kann. Vieles an diesem wundervollen Stück digitaler Kunst auf Leinwand hat sich in mein Gehirn gebrannt. Davon abgesehen, dass es viel um Nacktheit geht, ist diese auf eine sehr respektvolle und schambefreite Art inszeniert. Mit Menschen, die echte und authentische Figuren haben, die man sich einfach gerne ansieht.
Überhaupt ist es eine große Leistung diese intimen Momente so leicht erscheinen zu lassen als ob sie heimlich geschehen wären. Der Respekt und die Hochachtung, die ich hierbei für sämtliche Darsteller (beachte man ihren Werdegang bisher!) empfinde, kommen aus dem tiefsten Inneren meines Herzens.
Dieser Film hat den düsteren Singsang an Seele in sich, den Österreich zu dieser Zeit hatte - vielleicht auch generell an sich hat und ist meiner Meinung nach grandios besetzt. Ich hoffe darauf, dass es in der Zukunft wieder mehr Kino dieser Qualität gibt und die Darsteller weder verheizt werden, noch an Natürlichkeit und Charme verlieren. Und darauf, dass Saavedra möglichst wenige Interviews geben muss, damit er mehr Zeit zum frühstücken hat.

Die verstörende Erkenntnis aus diesem Kinobesuch für mich persönlich ist eine unscheinbare. Ich habe nicht geweint. Obwohl ich fest damit gerechnet hatte. Ich war am Ende einfach voller Bilder, Gefühle, Ideen – da war kein Platz fürs Heulen. Wie so oft in meinem Leben, kommt die Inspiration immer dann, wenn ich sie nicht eingeplant habe - und der Wust an zu ordnenden Emotionen mit ihr erst recht nicht. Wahrscheinlich muss ich jetzt in den nächsten Wochen wieder anfangen ein neues Buch zu schreiben, obwohl ich nach der Abgabe erstmal pausieren wollte. So ist das eben, wenn man tut, was das Herz einem befiehlt. Künstlerneurose. Ein bisschen in allen von uns.

Donnerstag, 24. November 2016

Meine Rezension zu Nina C. Hasse - Ersticktes Matt. Ein Steampunk-Krimi aus den Floodlands in New York

Nina C. Hasses Roman "Ersticktes Matt" liegt nun auch endlich als gedruckes Buch auf mein Tisch, viel zu schön verpackt als dass man es auspacken möchte. (Tausend Dank dafür!) Endlich komme ich dazu, mal eine Rezension zu schreiben. 

Das Buch behandelt ein sehr spannendes und tiefgehendes Thema, welches ich unendlich gerne noch viel mehr beschrieben hätte: Steampunk. Das bedeutet, die Welt, in der das Buch spielt, ist retro-futuristisch. Mode und Zeitgeist entsprechen der viktorianischen Epoche, aber die technischen Möglichkeiten sind andere. Eben so, wie man sich die Zukunft damals, in Jules Vernes Zeit, hätte vorstellen können. 

Auch der Protagonist Remy Lafayette ist clever gewählt, denn in seinem Namen treffen sich gesellschaftliche Etikette, Kultureller Hintergrund und die Verbindung zum Schachspiel, um welches es  im Roman geht. Das Buch handelt von Lafayette, der als Gesichtsanalytiker in Zusammenarbeit mit der Polizei eine Mordserie aufdeckt, bei der alle Opfer mit Schachfiguren gefunden werden.

Wie Nina das Thema Schach in die Ermittlungen einbaut ist sehr kreativ und erfordert eine gewisse Verständigkeit für die Strukturen des Spiels. Das hatte für mich allerdings auch zufolge, dass mir die Geschichte zu gedrungen war. Sie hätte wesentlich mehr Details an Stellen haben können, deren inhaltliche Komplexität geradezu nach weiterer Beleuchtung schreit. Alleine die Beschreibung des Zeitalters ist mir persönlich zu kurz gekommen, wo sie doch äußerst spannend ist. Auch das Seelenleben des Protagonisten kommt ein bisschen zu kurz, denn er ist ein vielschichtiger Charakter. In vielerlei Hinsicht. Eine Erzählweise in der ersten Person hätte ich außerdem interessanter gefunden.

Trotzdem ist dieser Krimi anspruchsvoll, behandelt sozial- und gesellschaftskritische Themen und macht Lust auf mehr. Einen zweiten Teil würde ich mir definitiv wünschen, denn es gibt in diesem Kosmos noch einiges mehr zu erzählen. Gut gemacht, liebe Nina! Ich warte dann mal auf mehr davon ;)



Nina C. Hasse - Ersticktes Matt // Verlag: CreateSpace Independent Publishing
ISBN: 978-1535537933


Bild: https://www.amazon.de/Ersticktes-Matt-Floodlands-Nina-Hasse/dp/1535537930/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1488048250&sr=8-1&keywords=ersticktes+matt

 

Sonntag, 20. November 2016

BOOK GOES POP ART // Autorenvorstellungen in Pop-Art Teil 4 // Eva-Maria Obermann

„Einfach Eva reicht“, sagt Eva-Maria Obermann. Sie ist im Mai 1987 in Speyer geboren, in Schifferstadt aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Früher wollte sie einmal Tierärztin werden, weil sie glaubte, dass Tiere es mehr verdient hätten, versorgt zu werden, als Menschen. Als sie 12 war, ließen sich ihre Eltern scheiden, woraufhin Eva anfing kurze Texte und Gedichte zu schreiben. Das Schreiben half ihr, auch als Ventil gegen Mobbing. Nach der Schule studierte Eva zunächst Biologie, wechselte 2009 jedoch zu Germanistik und promoviert derzeit erfolgreich in der Literaturwissenschaft über die Mutterfigur in der Gegenwartsliteratur. Gefördert wird sie dabei von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Literatur ist ihr Leben und der Wechsel zwischen wissenschaftlichem und erzählendem Schreiben fällt ihr nicht immer leicht. Allerdings empfindet sie dies als wichtig, damit ihr die Freude am Schreiben nicht verloren geht. Zu verkopft sei eben auch nichts. Eva hat außerdem einen Mann, drei Kinder von acht, drei und einem Jahr und eine Katze. Sie schreibt neben der Dissertation auch journalistisch, bspw. für das Face2Face Magazin. Literatur zieht sich eben durch ihr ganz schon beeindruckendes Leben ...

Was sagt Eva-Maria über sich selbst? Ihr könnt es nachfolgend lesen:

 

Mein Deutschlehrer fragte mich einmal in der Oberstufe, warum ich schreibe. Meine Antwort gilt auch heute noch „Ich kann nicht anders.“ Ohne das Schreiben wäre ich nicht ich. Schreiben ist für mich nicht nur Ausdrucksmittel und hilft meiner Phantasie, sich auszudrücken, es ist auch Selbsttherapie. Nach der Scheidung meiner Eltern hat sich das herauskristallisiert, aber vor allem, als ich in der Schule regelrecht gemobbt wurde, weil ich nicht schlank und auch sonst nicht „konform“ war. Ich schlitterte in eine Essstörung, aber das Schreiben hat mir geholfen und ich habe damals auch gelernt, reflektiert mit dem Geschriebenen umzugehen. Das hilft mir als Autorin ungemein weiter. 

Angefangen habe ich mit Lyrik und auch heute sind meine Gedichte mir sehr wichtig. Sie sind emotionaler und persönlicher, als alles andere, was ich schreibe. Kurzgeschichten schreibe ich gerne als Übung, am meisten Spaß macht es mir aber, ein Konzept für einen Roman zu entwickeln und auszufeilen. Nächstes Jahr erscheint mein erster Roman und da habe ich von der Grundidee bis zu Umsetzung quasi zehn Jahre lang gearbeitet, wobei viel in meinem Kopf passiert ist.
 

Da ich drei Kinder habe und an meiner Promotion arbeite habe ich nicht immer so viel Zeit für meine literarische Schreiberei, wie ich gerne hätte, versuche aber konsequent am Ball zu bleiben. Mein jüngster ist seit letzter Woche in der KiTa angekommen, was mir nun nicht nur abends Schreibzeit ermöglicht, sondern auch tagsüber Zeit, so dass ich Arbeit, Schreiben und Familie ausgewogener organisieren kann. Gerade Kurzgeschichten schreibe ich aber ab und an auch speziell für meine Kinder, sie sind also durchaus Inspiration.
 

Die meisten Ideen kommen mir gerade in der Zeit, in der mein Kopf eigentlich Pause hat. Besonders gut klappt das beispielsweise beim Stillen, aber auch beim Joggen, in der Sauna oder beim Putzen kommen mir immer wieder Plotgrundlagen in den Sinn, die ich dann weiter ausbaue. Vieles davon ist fantastisch, aber auch Gegenwartsliteratur gehört zu meinem Repertoire. Im Grund schreibe ich, was ich auch gerne selbst lese.
 

Lesen ist überhaupt ein Faktor, der mir beim Schreiben total wichtig ist. Ich habe selbst einen Buchblog (www.buchblog.schreibtrieb.com) und rezensiere fleißig. Einmal hilft es mir, zu erkennen, was ich selbst mag und welche Techniken ich gut finde. Außerdem habe ich dort schon eine tolle Vernetzung mit Autoren und Bloggern aufbauen können. Und es macht mir wirklich Spaß.
 

Ich habe fünf fertige Manuskripte abgespeichert und mein erster Roman „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ erscheint nächsten Februar im Schwarzer Drachen Verlag. Momentan schreibe ich an einer Fortsetzung. Außerdem habe ich zwei Projekte bei Oettinger34, bei einem davon bin ich in den letzten Lektoratszügen. 

Eva-Maria Obermann - Zeichnung Nika Sachs 2016

Sonntag, 30. Oktober 2016

BOOK GOES POP ART // Autorenvorstellungen in Pop-Art Teil 3 // einfach Clarissa

In der heutigen Vorstellungsrunde ist das Scheinwerferlicht ganz auf Clarissa gerichtet. Die 28 jährige angehende Autorin ist in einem kleinen Ort zwischen Köln und Aachen geboren und aufgewachsen. 

Mit 16 machte sie ein Austauschjahr in den USA, welches sie grundlegend geprägt hat. Noch immer hat sie Kontakt zu den Freunden in den Staaten und denkt gerne an die Zeit zurück. Nach der Schule kamen Ausbildung und Studium im Bereich internationales Management.

Clarissa ist ein absoluter Katzenmensch, nichts geht ihr über den schwarzen Vierbeiner. Schokoladensüchtig ist sie ebenfalls und liebt alles, was süß ist. Auf den ersten Blick scheint Clarissa eher ein ruhiger Typ, was sich aber ändert, wenn man sie besser kennt. Dabei sind plötzliche Veränderungen für sie schwierig, am liebsten entscheidet sie selbst, wann sie spontan etwas völlig Neues probiert.

Clarissa arbeitet als Betriebswirtin - Kontrastprogramm zum Autorendasein. Sie sieht diesen Kontrast aber eher als Vorteil, denn so bekommt sie ausreichend Abstand zum Schreiben. Derzeit ist es für sie etwas anstrengend beides unter einen Hut zu bekommen, weil der Büroalltag die Kreativität manchmal einfach blockt. Der Auftrieb ist aber schon in Sicht, verrät sie mir. Was wir noch über Clarissa und ihre Leidenschaft Schreiben wissen müssen, erzählt sie und nun selbst:



Wie bei vielen Autoren ist es auch bei mir so, dass ich immer Schreiben wollte. Mein Kopf ist eine echte Ideenmaschine. Egal wo, egal wann, die Ideen kommen unverhofft und oft. Meist sind es nur bestimmte Szenen, Themen oder Personen, aus denen ich dann ganze Geschichten spinnen kann. Es ist selten ruhig in meinem Kopf. Wenn eine neue Idee existiert, wird mir nicht mehr langweilig, die Idee wird weiter gedacht und dann entschieden ob sie benutzt wird oder nicht.


Das die Ideen zu mir kommen, war schon immer so, dass sie genutzt werden nicht. Wie gesagt, ich wollte immer Schreiben, habe es aber nie regelmäßig getan. Der Hauptgrund dafür war einer meiner Deutschlehrer. Rechtschreibung und Kommasetzung waren nie meine Stärke und dieser Lehrer hat es geschafft mir einzureden, dass ich zu schlecht sei um auch nur ans Schreiben zu denken. Meine Aufsätze wurden immer nur mit vieren und fünfen benotet und ich war damals vollkommen entmutigt. 

Nach einem Schulwechsel wurde dann alles wurde anders. Ich hatte einen Deutschlehrer dem mein Stil gefiel. Er hat mich ermutigt zu schreiben und hat mir sogar extra Material gegeben um an meinen Schwächen zu arbeiten. Meine Noten wurden besser, mein Selbstbewusstsein stieg und ich begann wieder ab und an zu schreiben. (Zusätzlich hatte ich auch eine super Englischlehrerin, die mir im Englischunterricht dasselbe bescheinigt hat)


Dennoch war schreiben nur etwas das nebenbei ablief bis zum NaNoWriMo 2011. Dort habe ich meine erste Geschichte, die einige Seiten hatte, geschrieben - und ich liebe sie. NaNoWriMo ist seitdem mein Lieblingsmonat. Ein Monat, der ganz dem Schreiben gewidmet wird.


Fast alles was ich schreibe, ist Young Adult. Als ich jünger war, habe ich viele dieser Bücher gelesen und finde das Jugendliche sich und ihre Probleme in Büchern wieder erkennen sollten. Ich finde es wichtig, die Themen aufzugreifen, die Jugendliche sich nicht unbedingt trauen anzusprechen. Ich weiß noch wie ich mich in dem Alter gefühlt habe.


Ich habe 5 beendete Manuskripte und mehrere angefangene Projekte, die in den Schubladen schlummern. Momentan überarbeite ich die Geschichte die ich während meines ersten NaNoWriMo geschrieben habe und hoffe dies im nächsten Jahr abzuschließen und dann zu veröffentlichen.



Clarissa - Zeichnung von Bordsteinprosa

 

Dienstag, 25. Oktober 2016

Buchmesse Aftermath - meine Selbsterkenntnis

Meine persönliche Erkenntnis nach der diesjährigen Frankfurter Buchmesse hat ein wenig gedauert. obwohl ich zwischendurch ziemlich krank wurde und den Rest der Messe nicht mehr anwesend war, hat sie viel in mir verändert.

Überhaupt hat das letzte Jahr schon viel in mir ausgelöst. Den Wunsch ernsthaft vom Schreiben zu leben, mein Ding durchzuziehen, mir eine Gemeinschaft zu suchen, die mich versteht und mir gut tut. Nun ja, es ist angelaufen.

Natürlich habe ich parallel dazu noch andere Pläne, die mich im Bereich Buchwelt dahin bringen könnten, wo ich hin will. Aber wo ist das eigentlich? Habe ich ein konkretes Ziel?

Ja, das habe ich. Was ich mir wirklich wünsche, ist ein Auskommen in einer Branche, die gerade wahnsinnig stark im Umbruch ist. Ich selbst schreibe als Selfpublisherin und arbeite parallel dazu auf einen Verlagsvertrag hin. Mein aktuelles Buchprojekt ist beendet und wird demnächst an meine Agentur geschickt.

Natürlich wünsche ich mir damit erfolgreich zu sein, so viel zu verdienen, dass ich mir keine Sorgen machen muss, ob ich meinem Kind einen Schulausflug zahlen kann. Aber in erster Linie wünsche ich mir ein Umdenken in der Buchbranche, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Verlagen, Agenturen, Buchhandlungen und Selfpublishern.

Es wird nicht von heute auf morgen funktionieren, aber ich gehe stark davon aus, dass es uns möglich sein wird, noch viel zu bewirken und Brücken zu bauen. Brücken, die diese Branche wirklich erhalten und bereichern können, denn was wir alle wollen, sind qualitativ hochwertige Bücher. Ob die nun aus dem Verlagsbetrieb oder dem Selfpublishing kommen, ist hierbei irrelevant.

Mir ist auch bewusst geworden, dass ich nicht neidisch auf meine erfolgreichen Kollegen bin. Es ist schwer, sich auf dem Buchmarkt eine Nische zu ergattern, in die man perfekt reinpasst, das richtige Marketing zum richtigen Zeitpunkt hat und darüber hinaus auch sein Handwerk möglichst beherrscht.

Ich weiß für mich selbst, was ich gut kann, was ich noch lernen muss und dass man Äpfel eben nicht mit Birnen vergleichen kann. Deshalb fällt es mir auch nicht schwer, mich mit und für meine tollen Kollegen zu freuen.

Wo wir gerade dabei sind, möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich Andreas Hagemann und Daniela Rohr empfehlen, deren Bücher mich diesen Sommer wirklich gefesselt haben. Weiter so, ihr beiden!

Hoffentlich bleiben wir noch lange Bros und bereichern und unterstützen uns gegenseitig.

Frankfurter Buchmesse 2016 // nur ein kleiner Rückblick

Vielleicht kommt es ein wenig unerwartet - aber ich werde nicht großartig berichten. Weshalb? ganz einfach:

Mir fehlt vor allem die Zeit. Es war so unglaublich genial, dass es auch nicht einfach in Worte zu fassen ist. Und das sage ich als Autorin. Außerdem gibt es wahnsinnig viele gute Berichte von anderen Leuten, wie zum Beispiel Annika Bühnemann und Benjamin Spang, deren Videos ihr hier findet:

https://www.youtube.com/channel/UCg9w6P3MR7NE-E58xMzGvGg

https://www.youtube.com/user/doppelmondsaga

Was ich allerdings gerne in die Welt schleudern möchte, ist mein Verweis auf die Videos, die ich gedreht habe:

https://www.youtube.com/user/puzzletarn

Mein Liebstes eigenes bisher:

https://www.youtube.com/watch?v=4ZgCu70E09k


Viel Freude damit :)

Ab nächster Woche geht es hier dann weiter mit Autorenvorstellungen in Pop-Art.

Sonntag, 16. Oktober 2016

BOOK GOES POP ART Teil 2 // Nina C. Hasse

In der zweiten Folge von Book goes Pop Art stelle ich euch heute die Krimiautorin Nina C. Hasse vor. 

Sie wurde 1986 in Paderborn geboren und zog zum Studium der Germanistik und Religionswissenschaft ins schöne Münster, wo sie immer noch wohnt und schreibt. Gesellschaft leisten ihr dabei ihre felinen Assistenten Holmes und Watson, die ebenfalls ein besonderes Interesse an Schreibwerkzeugen entwickelt haben, vor allem, wenn sie über eine Tastatur latschen und/oder diverse Stifte vom Tisch fegen können.


Wenn sie nicht gerade schreibt oder ihrem Brotjob als Lektorin nachgeht, reist Nina gerne, am liebsten natürlich nach New York, dem Handlungsort ihrer Steampunk-Krimi-Reihe, oder ist auf Steampunk-Veranstaltungen unterwegs – natürlich in angemessenem Outfit.

Sie hat eine Schwäche für „alten Krempel“ wie Fotos, Postkarten oder Mobiliar, im besten Fall aus dem 19. Jahrhundert. Ihre größte Leidenschaft gilt Krimis, sei es als Buch, Film oder Serie. Als bekennender Serienjunkie liebt sie unter anderem „Sherlock“, „Columbo“ und ihren All-Time-Favorite „Murder, She Wrote“.

Was all diese wunderbaren Leidenschaften mit Ninas Kreativität machen und wie sie diese in ihre Geschichten einbaut, erzählt sie euch hier selbst:





„Warum Steampunk?“, werde ich häufig gefragt und: „Was ist das überhaupt?“ Meistens versuche ich die Antwort auf beide Fragen so kurz wie möglich zu halten: Steampunk ist im Grunde die Science Fiction des 19. Jahrhunderts. Wie hätte man sich eine zukünftige Welt vor über 100 Jahren vorgestellt? Wir haben im Steampunk also die Verbindung zwischen der Ästhetik und Lebensweise des 19. Jahrhunderts mit (zuweilen fiktiver) moderner Technik, meist betrieben durch Dampfkraft und/oder Zahnräder. Diese Kombination finde ich wahnsinnig spannend.


In meinem Debütroman „Ersticktes Matt“, in dem ein Mörder Schachfiguren bei seinen Opfern hinterlässt, habe ich eine Welt entwickelt, in der die Klimaerwärmung um 1900 schon sehr viel weiter fortgeschritten ist als in unserer heutigen Zeit. Der gestiegene Meeresspiegel hat ein bedrohliches Umfeld geschaffen, viele Menschen mussten ihre Heimat verlassen, wurden zu Flüchtlingen, die alles verloren haben. Ich nutze gerne aktuelle Themen, die ich an die Ansprüche der Geschichte anpasse.

Trotz der globalen Thematik ist mir ein Mikrokosmos lieber. 

Ich bin nicht der Typ Autor, der seine Protagonisten über den gesamten Erdball jagt, um die Welt zu retten. Daher habe ich mir die Floodlands ausgedacht, Armenviertel und Pfahlbautensiedlung im East River, in dem tausende Klimaflüchtlinge untergekommen sind. Es ist ein dreckiger, unangenehmer und gefährlicher Ort, genau die Kulisse, die ich mir für „meinen“ Mörder gewünscht habe.


„Ersticktes Matt“ ist im Grunde ein klassischer Krimi in einem nicht ganz so klassischen Setting, der als Taschenbuch und E-Book bei Amazon erhältlich ist. Aktuell arbeite ich am zweiten Teil der Floodlands-Reihe sowie an einer Novelle, in der eine Nebenfigur aus dem Roman zum Protagonisten wird. Ich werde also noch einige Male in die Floodlands reisen – worauf ich mich sehr freue. 

Nina C. Hasse, Zeichnung von Bordsteinprosa 2016

Ersticktes Matt, Nina C. Hasse, erschienen bei CreateSpace Independent Publishing Platform, ISBN: 978-1535537933 - eBook ASIN: B01J2MYUIO

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Vegane Kürbislasagne und Hacklauchsuppe ohne Hack. Warum? Warum nicht!

Kürbislasagne:

1 kleiner Hokkaido
Gemüsebrühe /Pulver
2 große Karotten
vegane Bechamel- oder Sojasoße zum kochen und Backen
Zwiebel
Knoblaubzehe
Lasagneplatten
Gewürze
Petersilie
Tomaten oder gehacket Tomaten aus der Dose
Rotwein
Balsamico/Crema
(Geht natürlich auch mit veganem Hack!)

Es ist denkbar einfach:

Halben bis ganzen Kürbis mit Karotten, Zwiebel und Knoblauch zerkochen, mit Brühe abschmecken, nachwürzen (Ich liebe Korianderpulver und frischen Pfeffer)
Anschließend mit dem Mixstab pürrieren.

Tomaten ebenfalls gesondert aufkochen, mit Wein und Balsamico abschmecken.

Pro-Tipp: geröstete Maronen mit reinbröseln.

Und dann das Unglaubliche:

In Schichten alles davon übereinander in eine Form geben. Platten, Kürbis, Tomaten, dazwischen die mit Koriander und Pfeffer verfeinerte Bechamel und ab in den Ofen. Wer mag, kann das mit Analogkäse überbacken.

Petersielie drauf oder auch Basilikum. Ende. 




Hacklauchsuppe:

Veganes Hack (Es gibt ein paar Hersteller, die das fertig anbieten)

Zwei Stangen Lauch

Öl zum Anbraten (ich liebe Walnussöl)
4 große Kartoffeln
optional 2 kleine Karotten
Vegane Sahne o.Ä.

Wieder denkbar einfach:

Gemüse kleinschneiden, das Hack anbraten, ablöschen (geht auch super mit Weißwein)
Danach Kartoffeln/Karotten auf das Hack, Lauchringe drüber, aufgießen mit Wasser und Suppenpulver

Kpochen lassen, bis alles durch ist, dann mit Gewürzen nach Wahl abschmecken, Sahne dazu und tadaa - Fertig.




Viel Spaß dabei.





Sonntag, 9. Oktober 2016

BOOK GOES POP ART // Autorenvorstellungen in Pop-Art - Teil 1 // Andrea Schrader

Meine erste Autorin in der Reihe  
Book Goes Pop Art heißt Andrea Schrader und ist 28 Jahre alt. die gebürtige Einbeckerin wohnt und schreibt in Leipzig und ist hauptberuflich Journalistin. Nach dem Studium der Sozialwissenschaften in Oldenburg ging es zuerst nach Hamburg und dann der Liebe wegen nach Leipzig. Nicht nur ihr Kopf ist voll mit Büchern, sondern auch ihr Wohnzimmer. Darunter viel Fantasy, ein wenig historische Romane, Klassiker und eher weniger Gegenwartsliteratur und Krimis. Auch das eBook hat mittlerweile als Leseformat in Andreas Leben Einzug gehalten, kann jedoch ein echtes Papierbuch für sie nicht ersetzen.

Ansonsten näht Andrea gerne, vor allem mittelalterliche Gewandungen, geht auf Märkte und zockt unter anderem Diablo 3. Wenn ihr mal die Kreativität ausgeht, fährt Andrea ans Meer oder in die Berge und diskutiert mit ihrem Mann. Der ist für sie der stärkste Kritiker, was Logikfehler in ihren Phantastischen Welten angeht.
Weil ich wissen wollte, was Andrea uns zu ihren eigenen Geschichten gerne mitteilen möchte, habe ich sie einfach mal erzählen lassen:


Geschichten ohne Happy End

Alles auf ein großes, gutes Ende hinauslaufen zu lassen - darum geht es in meinen Büchern nicht. Sein Leben zu leben, die Fallstricke zu meistern und den eigenen Platz zu finden, das sind die Geschichten, die ich schreibe. Vor allem aber geht es darum, wie sehr sich ein Leben verändern kann, wenn eine Prise Magie in die Welt, wie wir sie kennen, gegeben wird.
Ich verspreche euch daher nicht, dass die Liebe immer gewinnt, wenn ihr meine Bücher lest. Ich verspreche euch aber, dass am Ende irgendwie alles gut wird und die Geschichte einen stimmigen, harmonischen Abschluss findet.


Mein Debütroman "Spür den Regen" spielt zum Teil auf Atlantis, zum Teil in einer mittelalterlichen Version unserer Welt. Eine Kantàlin, eine Zeitlose, versucht herauszufinden, wie sich Liebe anfühlt, um ihren Schmerz loszuwerden - und merkt nicht, wie sie dabei immer weiter ins Visier einer Armee gerät, die Jagd macht auf alle widernatürlichen Wesen. 


Bisher ist mein Debüt bei Schruf&Stipetic als eBook veröffentlicht, noch in diesem Jahr erscheint die Taschenbuchausgabe: 
http://schruf-stipetic.de/regen

Meine Kurzgeschichtensammlung "Die Freiheit der Highlands", die ich selbstveröffentlicht habe, bricht ein wenig mit meinem Stil. Die Geschichten handeln von der großen Liebe und wie sie gefunden und behalten wird. Ich habe sie für eine Freundin geschrieben, die Highlander-Geschichten mag und fand es dann zu schade, sie in ihrer und meiner Schublade verstauben zu lassen. Bisher gibt es sie als eBook, ich plane eine Printausgabe: http://amazn.to/11COWOX


Mein nächstes Projekt ist eine apokalyptische Fantasy-Trilogie. Der erste Band liegt meinem Verlag schon vor, der zweite ist fertig geschrieben. Den dritten Band werde ich dieses Jahr (2016) beim NaNoWriMo beginnen.
Was danach kommt? Meine Notizbücher sind gefüllt mit Ideen - und zwei Sachen sind sicher: es wird wieder phantastisch und es werden Geschichten ohne Happy End.


Andrea Schrader, Zeichnung von Bordsteinprosa 2016

Montag, 3. Oktober 2016

Rezension "Allein im Miteinander" - ein zeitgenössisches Theaterstück von Sven Hensel

Wer bestimmt was Deutsch ist?

diese Frage habe ich mir die ganze Zeit über gestellt, während ich dieses wundervolle Theaterstück gelesen habe. Inmitten der Multikultistadt Köln betreibt Murat Erdal einen Kiosk, in dem er täglich mit Anfeindungen, Klischees und kulturellen Barrieren konfrontiert wird. Dabei ertappe ich mich als Leser immer wieder, wie ich meine eigenen Landsleute gerne aus dem Land werfen würde. Wer schreibt vor, was Deutsch ist und will ich dieses abgegrenzte "Deutsch" überhaupt sein?

Dieses Theaterstück beleuchtet auf knapp 120 Seiten verschiedene Sichtweisen über Herkunft, Tradition, Angst vor Veränderung und Chancenungleichheit. Viel möchte ich im Detail gar nicht über diese feinfühligen Dialoge und aus dem Leben gegriffenen Konflikte vorwegnehmen, sondern das Buch ganz schlicht empfehlen. Es hat mich aufgewühlt, Fragen aufgeworfen, Unwohlsein und Hilflosigkeit verursacht. Bitte weiter so, Sven Hensel!


ASIN: B01719A2N2; ISBN 9781518724862 Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform // Amazon

Bild: https://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=allein+im+Miteinander

Donnerstag, 29. September 2016

Jasager Teil 2 - Beziehungs(un)fähigkeit

Vor vielen Jahren habe ich einen Blogeintrag von einem Menschen gelesen, dessen unglaubliche emotionale Kompetenz bis zur totalen Verneinung unter seinem Verstand gelitten hat. Was mir seitdem immer wieder durch den Kopf geht, ist seine Aussage, dass wir uns in das verlieben, was uns am ähnlichsten ist. Das sehe ich auch so. Wohlgemerkt in jenes Ich, welches wir gerne wären und welches potenziell in uns schlummert.

Ich schickte meiner besten Freundin vorhin über hunderte Kilometer einen Satz, der mich selbst infrage stellt. Eine Gleichung mit zwei Unbekannten. Ihre Antwort ist wie immer ein Spicker, auf dem der Lösungsansatz steht. Nur rechnen muss ich jetzt noch selbst. Vor allem mit den richtigen Vorzeichen.

Meine Gleichung geht nach mehrmaligem Rechnen auf, die Geschwindigkeit meiner Lernfähigkeit macht mir Angst. Das Ergebnis ist null, frei jedweder Wertung.

Wir sehen uns selbst und das Positive an uns in der anderen Person und beginnen das zu mögen. Leider aber nur bis zu dem Punkt, an dem wir uns schwach fühlen. Zumindest glaube ich das. Schwach, weil wir daran zweifeln, unser eigenes Potential je erreichen zu können. Sobald ein Ich von zwei Menschen dieselbe Basis hat, jedoch weiter reflektiert ist, fällt das andere hinten runter. Warum? Weil wir uns danach sehnen, uns selbst zu lieben. Aber genau da entsteht auch die größte Hürde in uns. Umso näher wir uns selbst sind, desto mehr lieben wir auch.

Wir verlieben uns in ein Potenzial, das jemand tatsächlich mitbringt, weil wir sämtliche Fehler dadurch wunderbar relativieren können. Prinzipiell ist das gar nicht verkehrt, weil es ab und an tatsächlich vorkommt, dass wir dieses Potential erreichen. Nur mit Hilfe, aber dafür müssen wir selbst die Tür aufschließen. Dabei sollte am besten das Fenster geschlossen bleiben, damit die Vernunft nicht direkt aus ebendiesem flüchtet.

Was ich aus diesen Sprachnachrichten mit ihr gelernt habe, ist eigentlich ganz hervorragend:

Ich habe mich nicht nur überhaupt, sondern auch in mich verliebt. Das bedeutet, ich bin irgendwie in Ordnung, weil ich noch etwas geben kann, das nur aus mir herauskommen kann. 
Jeder Mensch, der andere lieben kann, kann auch sich selbst lieben. 
Aber diese Erkenntnis befremdet, verstört, kommt mir falsch vor. Wir neigen dazu, uns zurückzunehmen, anderen den Vortritt zu lassen und bewerten uns bei selber Leistung wesentlich schlechter. Es ist wie mit einer Berufsausbildung:

Sind wir einmal Azubi und Lehrmeister, wird sich an diesem Verhältnis ohne neues Arbeitsumfeld und Weiterbildung nichts ändern. Die meisten Menschen wollen aber ihren Schreibstisch nicht verlassen und nichts Neues mehr lernen. Bis zur Rente. Ich wechsle jetzt die Branche und verlasse den Azubistatus, weil ich nun nicht mehr nur lernen, sondern auch lehren kann.

Mit - wie immer - viel zu viel Liebe für die Menschen, die sich lieben könnten, aber nicht mehr trauen. Vor allem die, die gerne eine Weiterbildung machen würden, aber noch nicht genau wissen als was ...

Mittwoch, 28. September 2016

Kurzgeschichtensammlung - ein Experiment mit euch!

Letztlich hat mir ein noch recht junger Schreiber seine Texte zukommen lassen, die mich so gefesselt haben, dass ich beschlossen habe, eine Sammlung anzugehen. Warum muss es immer gleich ein ganzes Buch sein? Gefühle sind stark und brauchen nicht immer einen hunderte Seiten langen Rahmen! Also dachte ich eine Weile darüber nach und bin zu folgendem Entschluss gekommen:

Ich möchte euch bitten, mir eure Kurzgeschichten mit emotionsgeladenem Thema zur Verfügung zu stellen, damit wir gemeinsam eine wundervolle und vielschichtige Anthologie zusammenstellen. Am besten bis maximal 15 Normseiten, je nachdem, wie viele Interessenten ich dann habe. Thema ist absolut frei, aber extreme politische Bezüge sind eher sensibel zu behandeln. Bitte auch keine diskriminierenden Aussagen, ich möchte gerne niemanden ausschließen :) Ansonsten gibt es keinen Rahmen für Genre und Zeit. Lektorat und Gestaltung bräuchten wir auch, wer helfen kann und mag (gegen Geld natürlich) ist herzlich willkommen!

Bei Interesse bitte an mich über Twitter DM oder hier, über Email an 
Nika.sachs@gmx.de oder Bordsteinprosa@gmx.de

Ich freue mich auf eure Ideen!

Eure Nika <3

Sonntag, 25. September 2016

Jasager und die Generation des Nihilismus

Jasager.

Jaja, höre ich mich immer sagen. Jaja, stimmt schon. Du hast recht und ich meine Ruhe. Jaja, ich weiß. Jaja heißt leck mich am Arsch. 

So oft, wie ich Jaja sage, fällt es mir schwer, einfach nur ja zu sagen. Ja zum Leben. Ja zu Menschen und ganz vorne, ja zu mir selbst. Weil es so viel einfacher ist, nein zu sagen. Aber da ist es natürlich ausreichend, nur einmal nein zu sagen. Nein-nein wäre ja wieder ein Ja und klingt auch komisch - fast so seltsam wie:
"Atomkraft? Nein, nein ...", wie es bei uns in Darmstadt in der Uni steht.

Ich bin schon lange quasi Profi im Neinsagen. Nein zu allem, das ich nicht unter Kontrolle haben kann. Aber was ist schon Kontrolle? Ein fiktives Konstrukt aus Konditionalgefügen und der trügerischen und prophylaktischen Entsagung, welche aus ihnen zwangsläufig irgendwann resultiert.

Warum eigentlich? Zunehmend ähnliche Erfahrungen, ganz klar. Dabei ist das total albern, denn das einzig ultimativ Anzunehmende, ist mein Ableben. Irgendwann. Nicht einmal das weiß ich schon. Nur, dass es geschehen wird. Aber mit ebendieser vermeintlichen Sicherheit des Fatalismus gehe ich an alle Ereignisse heran. ganz besonders an die, die mich ins Chaos stürzen. Dabei verfolgt doch gerade das Chaos ein System.

Das Gewohnheitsherdentier will den Zaun. Den Seelenknast und das Kontrollkorsett. Weil Atmen doch so überbewertet wird, alles eine Frage der Konditionierung. Dabei kontrolliert die Konditionierung mich und ich schon lange nicht mehr mein Leben, was für eine fiese Feststellung. Wie neidisch ich auf naive Kinder bin, deren Urvertrauen in die Welt ich gerne in mir aufrechterhalten würde. Vertrauen ist vielleicht aber einfach nicht genug, damit Wenn ich Kontrolle bewusst abgebe, ist das dann Kontrollverlust? Oder doch eher die wahre Kontrolle?

Ich habe Angst vor etwas Neuem, weil es mich begeistern könnte. Das Ende vom Weg kenne ich doch schon - warum fällt es mir so schwer, ihn bis dorthin zu gehen? Weil er mir gefallen könnte, ich aber wieder von ihm abkomme. Ich werde geschubst, aus der Bahn geworfen, stolpere, gehe wieder alleine. Die Hand, die ich ergreife, entzieht sich mir. Aber ich schaffe das ja auch so, wozu brauche ich eine Hand, die mich führt, wenn ich eine berechenbare Taschenlampe nehmen kann? Batterie leer, Licht aus. Vielleicht Materialermüdung. Oder ein Wackelkontakt. Die möglichen Komplikationen häufen sich - verdammt. Die Hand wird immer interessanter, die ist nämlich zu all den Komplikationen im Vorteil, auf mich einzugehen.


Denken muss ich immer und bei all meinen Entscheidungen, aber ich bin es gewohnt, mich nur auf mich verlassen zu können. Dabei kann ich eigentlich nicht einmal das. Sonst wäre ich jetzt ganz woanders, glücklicher, weniger getrieben und zufriedener mit mir selbst. Aber ich stelle fest, auch ich treffe falsche Entscheidungen, entziehe anderen meine Hand und stecke sie lieber in meine Jackentaschen, wenn es kalt wird.

Gabelung A sagt: Hand, leben und fliegen, stolpern und fallen

Gabelung B sagt: gerade Strecke mit Taschenlampe jeder Menge Verlockungen am Rand, die ich mir nur ansehen kann, weil der Zaun mich effektiv davon fernhält.

Natürlich brauche ich die Hand nicht, damit ich den Weg zu Ende gehen kann. Aber mir gehen zunehmend die Argumente aus, weshalb ich sie nicht nehmen sollte. Wegen dem Bisschen Kontrolle über ein ödes und geradliniges Leben, in dem ich trotzdem nicht mit mir zufrieden bin?

Will ich eigentlich nicht.