Mittwoch, 6. Januar 2016

Die Ratten betreten das sinkende Schiff - Gedankensport bei der Titanic Dath WM 2016 im Club Voltaire

Es ist kurz nach sieben am Abend des mit verwerflichem Humor geschwängerten fünften Januar. Ein Dienstag. Dienstage sind, wie ich finde, gute Tage für unanfechtbar ernste Angelegenheiten, in deren Dienst, wie der Name schon sagt, wir alle stehen sollten. Heute im Programm: freudiges Abtauchen in die Tiefen des schwarzen Humors mit dem Titanic Magazin und einer Gedankensporteinlage von Dietmar Dath in eigener Disziplin. Voltaire sagt: „Du. Kommst. Nicht. Mehr. Rein. Außer du hast vorreserviert.“ Freudestrahlend zeige ich auf meinen Namen auf der Liste und zahle den Zoll für die nahende, geistige Verwirrung. Verzeihung - Bereicherung.

Ich zeichne bereits weit vor Beginn der Veranstaltung und beobachte dabei mein Umfeld. Nerdbrillen-bunte-Halbglatzen-Einhornpublikum. Sozusagen der Ponyclub der Satire, die Leichtigkeit des Verneinens. Dabei hatte ich die Hoffnung auf einen Smombiefreien Abend – Leider reicht ein Kellerbalken auf Edge noch aus, um zu whatsappen. Twitter, mein untreuer Seelenknechter, hat mich bereits verlassen.

Smombiemode on


Es wird voll. Sehr voll. Roter Kuschelkurs und auf 12:00 Uhr betritt das sinkende Schiff unserer unterhaltsamen Erlösung die Bühne. Untermalt mit der eingängigen und braunflauschigen Achtzigerjahremelodie aus meiner unbeschwerten Kindheit. Die Titanic ist nah am Leser und am Volk, immer wieder besticht sie durch die Herausgabe brisanter Informationen, akkurat recherchiert und formuliert. So erfreuen wir uns bereits zu Beginn an der liebevollen Frage, ob zwischen Helene und dem Führer was geht. Bereits bei den Leserkommentaren zur Letzten Titelstory, verläuft mir die Schminke beim Lachen. Die bald darauf folgende Leserfrage, ob sich die Titanic trauen wird, Mohammedwitze zu reißen, bleibt leider offen. Eines meiner persönlichen Highlights, ist der bildliche Jahresrückblick. Ein Kackhäufchen auf der Fifa, dem Eiffelturm ... Äußerst liebevoll gestaltet und in wahrheitsgetreuer Scharfsinnigkeit zusammengestellt. Das nächste große Ereignis am heutigen Abend ist der Attentatort mit Til Schweiger alias Nick Tripper, der zweimal undercover den Kiez aufgeräumt hat und alles im Alleinganz zu erledigen vermag. Double, Regie, Catering by Til Schweiger. Der Attentatort besticht durch ausgefeilte Dialoge und ein bildgewaltiges Szenenbild.

Auszug:


Ich knall mich im Uhrzeigersinn durch dein Organigramm.
Explosion der roten Eichel.
Sackbombe. Eiersalat.
Sexy Unterdrückung.
Ich spreng mir die Welt, wie sie Allah gefällt.
Wahahahabitischer Islam.


Es folgt der Jahresrückblick der liegengebliebenen Meldungen. Die reizüberfluteten Franzmänner haben dabei eine Germanwingsmaschine abgeschossen und die Damen Ferres, Furtwängler und Wulff sind jetzt nach ihrem Brüstetausch wohl Breast friends forever. Bereits jetzt ist die Stimmung hier maximalheiter und rotwolkig, der nahende Dritte Weltkrieg und seine düsteren Vorboten verpuffen im Äther. Das nächste Thema behandelt die Technikseuche des letzten Jahres, Selfiesticks. Frei nach Karl Lagerfeld: Die Armleuchterverlängerung des kleinen Mannes. Der krönende Abschluss findet sich in der traurigen Berichterstattung über zwei Krankenschwestern des Wolfgang Joop-Klinikums, die sich totgelacht haben. Der Grund hier für gestaltet sich tragisch: Der dafür verantwortliche Patient wurde mit einem Selfiesticksexunfall eingeliefert, bei dem der Versuch, sich die professionelle Darmspiegelung zu sparen, leider missglückte.

Weiter geht es mit praktischen Tipps zur Verhütung von islamistischen Zwischenfällen. Um den Attentätern den Showroom für ihre bombastische Darbietung zu verhageln, schlägt das vertrauensürdige Magazin vor, man könne Massenveranstaltungen verhindern, indem man die Besuchermassen auf Randsportarten verteilt. Basketball oder Handball zum Beispiel, die Ultras könnten da auch mal vorbeischauen. Somit hätten Islamisten nicht mehr genug Publikum bei einer einzigen Veranstaltung. Optional könne man auch Islamistenattrappen aufstellen und oder das Fußballstadion per Knopfdruck zur Moschee umfunktionieren. Der darauf einsetzende Gebetsruf würde die Attentäter somit Handlungsunfähig machen, durch ihre Gebetspflicht in die Knie zwingen.

Nach diesem äußerst vielversprechendem Programm an Vorschlägen, folgt der sportliche Teil des Abends. Gedankensport. Dazu sind wir ja erschienen, denn wir sind Zeuge der diesjährigen Dath WM, bei der der Meister Dietmar Dath selbst antreten wird. Gleich zu Beginn seiner ersten Runde stellt er klar, dass er bereits vor 25 Jahren bei der Titanic angeheuert hat und seitdem immer weiter runter gereicht wurde, sodass er jetzt im Gallus versauert. Desweiteren stellt er fest, dass man früher Freunde ans Internat verloren hat, jetzt sei das das Internet. Es folgen Erinnerungen an die Kindheit, den Sprachlaut der preußischen Oma "Fäige Merrrder" und die wohl einzig verbliebene Option eines linkischen Schreibers: Akif Pirinçci.

Pause.

Nach der Pause erfreuen wir Zuhörer uns an einem rechtsradikalen, zeitgenössischen Gedicht mit dem Titel “Refugees welcome” und einer wundervollen Büttenrede. Dietmar Dath bereichert wieder den Abend und liest mit 1000 wpm (words per minute) seine Gedanken vor, ohne Punkt und Komma, aber akkurat und scharf wie eine Rasierklinge. Unverrostet. Dabei geht es um den Suhrkampbandnachbarn Enzensberger. Tausendsassa. Siegfried Lenz und den bereits viel zu lange nicht erwähnten Joachim Gauck. Der Name Gauck irritiere Dath, vernehmen wir. Gauck – das klingt nach Krankheit. Nierengauck. Oder nach einer alten Maßeinheit. Ein Gauck Mehl. Der Kantenkieferbrüllnacken Gauck habe im Gegensatz zu Angela Merkel aber zwei entscheidende Vorteile, denn er kenne zum einen die Stasiakten auswendig und rückwärts und zum anderen habe er einen Penis. Und Hoden. Zwei sogar, immerhin einer mehr als Hitler. Den Abschluss des grandiosen Einblicks in Dietmar Daths Gedankenwelt bilden das Thema erotische Konkurrenzfähigkeit und Kinder. Grenzwertig aber genial und als Vorbote auf die darauffolgende Erörterung der Frage nach einer tatsächlichen, rechtsradikalen Absicht hinter Angriffen auf Ausländer, auch effektiv. (Vielleicht verstecke sich auch nur eine false flag Aktion der Linken dahinter)

Titanic, das sei das mutigste Magazin zwischen Offenbach und Oberursel, heißt es danach und auch die Prognose auf 2016 und seine Meldungen, sowie Geschichte der Dammhirsche und der Neunaugen erfreut noch einmal zum Anschluss das schwarze Herz.


Titanic Dath WM - Club Voltaire. Mainhattan, 05.01.2016
Es war ein herzlich-schmerzlich erfrischender und tiefschwarzer Abend im Club Voltaire und hat zumindest bei mir ein entspanntes und zustimmendes Nicken über den groß angelegten Untergang unserer Gesellschaft verursacht. Volle Fahrt Voraus.

Anmerkung:

Rohrbruch an der Club Mate Bar.
Au, au, fuck, doppelfuck, wie das zwiebelt.



Vielen Dank an die Titanic und ihre Besatzung:


Tim Wolff
Torsten Gaitzsch
Moritz Hürtgen
Elias Hauck
Leonard Riegel

Dietmar Dath

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