Sonntag, 24. Januar 2016

Schneesturm - eine Beobachtung

Mein Blick verfolgt ihr eisiges Lächeln, gleich klammert sie sich an die einzige verbleibende Scholle, die sie greifen kann. Verloren ist sie, wie so viele Andere auch. In einem Meer aus Erlebnissen, Erfahrungen und Fehlentscheidungen. Die Kälte zieht angenehm in ihren Kopf ein, erfüllt ihren Horizont mit dem beruhigenden Gefühl, dass sie ihr Leben liebt. Das Leben, das ihr alle Möglichkeiten geschenkt hat. Ein super Gehalt, den Zugang zur Bildung, den Spaß am Arbeiten und Feiern. Vor allem viel davon. Von beidem. 

Das Leben ist zum verfeiern da, sagt sie sich immer. Irgendwann ist es vorbei und man nimmt nichts mit, außer den Erinnerungen an eine großartige Zeit zwischen Erfolg, Erfüllung und Druckbetankung mit Nuttendiesel. Ganzjähriger Winter herrscht in ihrem Leben. So viel wie es in ihrer Nase schneit, hat sie schon lange mit dem Frieren aufgehört. Zu tot um irgendwas zu empfinden. Aber so oder so mag sie die Wärme nicht, denn die kann einen schnell verbrennen. Mit der Wahrheit über das Wesen der Menschen, die ausschließlich ihren eigenen Weg verfolgen und Andere als Wegzehrung konsumieren. Manchmal reicht es nicht einmal für den Mülleimer, man landet leer und benutzt auf dem Boden und keiner kommt, um einen wieder aufzuheben. Kaum einer füllt Einwegflaschen wieder auf, aber so ist das eben wenn man eine Flasche ist. Die einzigen Flaschen mit Wert sind die mit den seltsamen Namen drauf, meist hunderte oder tausende Euro jede einzelne davon. Aber auch die sind irgendwann leer und ein Fall für den Altglascontainer. Da landen auch die zerbrochenen Seelenspiegel derer, denen das Leben einen so derben Faustschlag verpasst hat, dass sie sich selbst nicht mehr zusammenkitten können. 

Es heult sich leider nur schöner im Ferrari als auf dem Fahrrad, auch wenn die Komplexe dieselben sind. Die Einen ersetzen sie mit Hass, Neurosen, Hilflosigkeit oder Stille und die Anderen eben mit dem weißen Gottkomplex, wahlweise auch mit alledem. Reich ist man am Ende nicht an Geld oder leeren Illusionen, nur an Lebensfreude und der Erkenntnis, dass alles nur geliehen Ist. 

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