Montag, 23. Mai 2016

Buchrezension "Blut gegen Blut" von Benjamin Spang

Benjamin Spang ist ein humorvoller Zeitgenosse, mit Sinn für sympathischen, lesernahen Quatsch. Er ist ein überaus engagierter und marketingverständiger Autor, dessen Debütroman erfolgreich über Crowdfunding finanziert wurde. Benjamin schreibt meist morgens, noch vor der Arbeit - also dann, wenn ich vom Schreiben Pause mache und mich nach drei Stunden Schlaf um mein reales Leben kümmern muss. Dass ich diesbezüglich alle Achtung vor ihm habe, möchte ich hiermit noch einmal anmerken.

Sein Roman Blut gegen Blut handelt von der Luftschiffmechanikerin Katrina, einer jungen Frau, die in einer Welt voller Gefahren lebt. In ihrem Land Nuun herrscht Krieg mit den Werwölfen und den Vampiren und inmitten dieser bedrohlichen Lage, muss Katrina mit dem Verlust des spurlos verschwundenen Vaters und der alkoholkranken Mutter klarkommen. Dabei ist sie in sich selbst zerrissen, verarbeitet ihren seelischen Schmerz durch selbst verletzendes Verhalten. Eine derartige Problematik immer im Hintergrund mitschwingen zu lassen, empfinde ich als einen gelungenen Spannungsfaktor, mit Bezug zur realen Welt.
Schwächen sind auch in unserer Gesellschaft ein großes Tabu, aufwendig zu vertuschen und noch schwieriger ist es, mit ihnen nicht den Bezug zu sich selbst und der Außenwelt zu verlieren. 

Die Idee hinter der Geschichte finde ich großartig, wenn mir auch ab und an die Sprache zu wenig Struktur hatte und einige Szenen ein bisschen statisch erschienen. Auch die Orientierung in der Welt, die Benjamin seinem Buch erschaffen hat, fehlt mir an manchen Stellen. Hier und da wirft die Geschichte Fragen auf, wie bestimmte technische Errungenschaften der Welt von Katrina vereinbar sind. Im Großen und Ganzen fehlte mir aber einfach bis zum Ende des Buches die Identifikation mit Katrina. 
Für mich hat sie zwar einen starken Willen, erscheint mir jedoch nicht ausreichend emotional reflektiert, um sie bedingungslos sympathisch zu finden. Die innere Zerrissenheit, welche ihren Charakter begleitet, fühlt sich für mich einheiltich dunkel an. 

Mit Sicherheit ist sie durch das ganze Umfeld sehr abgehärtet, vielleicht auch gezwungen gewesen zu schnell Verantwortung zu tragen, aber die emotionale Reife ihres Charakters kommt leider ein wenig zu kurz. Was mir allerdings gut gefallen hat, sind die Kampfszenen, Anmerkungen über Charakterschwächen der Menschheit an sich und der Glaube an Familie.

Benjamin Spang schreibt gerne über starke Frauen und starke emotionale Bindungen zwischen Eltern und Kindern, über Idealismus und das Überleben in einer Welt, die einen nicht auffangen kann. Das spannende Ende des Buches lässt die Option auf eine Fortsetzung offen.
Auch wenn sein Werk inhaltlich ein paar Schwächen aufweist, ist es für ein Erstlingswerk qualitativ hochwertig produziert und aus marketingtechnischer Sicht, gut durchdacht. 

Umso länger man es liest und sich den Hintergrund der Handlung bewusst macht, desto mehr möchte man über Katrina und ihre Welt erfahren. 
Vielleicht muss man bei der Beurteilung dieses Buches von Benjamin Spang einfach ein Auge zudrücken und über die Stolpersteine hinwegsehen, denn der Ideenreichtum und die Liebe zu seiner Geschichte, liest man definitiv heraus.

Ich hoffe auf einen zweiten Teil, mit ein wenig mehr Erfahrung, mehr Tiefgang der Charaktere und noch ein paar mehr schaurig-schönen Kampfszenen, weiter so!


"Blut gegen Blut" von Benjamin Spang, erschienen im Tredition Verlag, ISBN 3734500745
Benjamin Spang im Web: www.blutgegenblut.de





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen