Donnerstag, 19. Mai 2016

Rezension "Die Hüter des Schwarzen Goldes" von Inge Meyer-Dietrich & Anja Kiel

Noch einmal Kind sein, dachte ich mir, als ich dieses wundervolle Buch gelesen habe. Noch einmal die Welt mit den Augen eines Kindes sehen und die Magie des Verborgenen in unserer Welt in mich aufsaugen. Vor etwa fünfzehn Jahren war ich mit meiner Klasse in der Grube Fortuna, einem Besucherbergwerk in Solms. Schon damals empfand ich die Welt unter Tage spannend und bedrohlich zugleich. Es fühlte sich an, als ob ich die mir bekannte Welt da oben einfach hinter mir gelassen hätte und mich auf etwas völlig Fremdes einlassen musste. Den Geruch der Stollen, die Fahrt mit der äußerst unbequemen, winzigen Bahn und auch die Farbe des Gesteins, werde ich nie vergessen. 

Als ich letzte Woche das Buch las, fühlte ich mich direkt wieder zu diesem Tag zurück katapultiert. Ich war damals etwa gleichalt mit den Kindern aus dem Buch und erinnere mich gut an das Kribbeln im Bauch, das die Dunkelheit da unten ausgelöst hatte.

Im Buch ist der Ausflug in die Unterwelt aber natürlich viel aufregender und abenteurlicher. Die Geschichte handelt von der cleveren Sophie und dem draufgängerischen Fußballfan Luca, zwei Kindern, die bei einem Klassenausflug ins Bochumer Bergwerk von Zwergen entführt werden. Diese berichten ihnen von einer Prophezeiung, die besagt, dass zwei Menschenkinder ihnen helfen werden. Die Zwerge wurden um ihren Kraftstein bestohlen und benötigen dringend Hilfe. Außerdem sind sie mit dem Volk der Blaukobolde zerstritten, was die ganze Sache noch erschwert. Hinzu kommen später noch ein Werwolf, eine mystische weiße Frau und der Berggeist, der auf die Vernichtung der Störenfriede aus ist. Natürlich fällt der Verdacht zuerst auf die Kobolde, die sich anfänglich nicht gerade als nette Zeitgenossen erweisen. Im Laufe der Geschichte willigen die Kinder ein, nach dem verschwundenen Achazurit zu suchen und erleben allerhand aufregende Dinge im Bergwerk. Sophie und Luca können sich zu Beginn der Geschichte gar nicht so richtig leiden, werden jedoch durch die Abenteuer Freunde. Die Geschichte nimmt einen unerwarteten Lauf und die Kinder schaffen es am Ende, den Fall zu lösen.

Wer sich in der Welt des Bergbaus, des VfL Bochum und den sagenumwobenen Zwergen zuhause fühlt, wird sich in dieser Geschichte wiederfinden. Für mich als ruhrpott- und bergbaufremdes Hessenkind, ist die Geschichte ein Grund mehr, mich auf Entdeckungsreise ins Nachbarbundesland zu begeben. Eine meiner Meinung nach sehr gelungene und spannende Fantasygeschichte, die den Spagat zwischen Abenteuer, Realität und Fabelwelt definitiv geschafft hat.

Hoffentlich bereichern Inge Meyer-Dietrich und Anja Kiel uns noch öfter mit solch wundervollen Geschichten!

Vielen, vielen Dank für das tolle Buch, liebe Anja!


Inge Meyer-Dietrich & Anja Kiel - Die Hüter des Schwarzen Goldes - Henselowsky Boschmann / ISBN 978-3-942094-07-8

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