Samstag, 18. Juni 2016

Auf ein Interview mit Benjamin Spang, dem Autor von "Blut gegen Blut"

Ja, es ist wahr - ich habe den äußerst sympathischen und kompetenten Autor Benjamin Spang getroffen! Vor einer Woche haben wir uns endlich live und in Farbe, auf dem Litcamp Heidelberg kennengelernt. Wir hatten eine Menge Spaß, großartige Sessions und viele gute Gespräche, in einer tollen Gruppe. Weil ich vor nicht allzu langer Zeit sein Buch Blut gegen Blut gelesen und rezensiert habe, freue ich mich sehr über seine Zusage für ein Interview.

Viel Spaß beim Lesen, 
eure Prosa





Lieber Benjamin, dein Buch handelt von einer willensstarken jungen Frau. Aus Erfahrung kann man es als Autor ja nicht allen recht machen, aber ein potenzieller Vorwurf über mangelndes Einfühlungsvermögen in das andere Geschlecht, trifft einen ja schon noch einmal auf einer anderen Ebene. Ich finde das mutig und auf eine Art und Weise auch eine spannende Reise, um sich selbst emotional abzugleichen. Was hat dich dazu bewogen, eine weibliche Protagonistin zu wählen und ihr dazu diese Persönlichkeitsstörung zu geben?


Benjamin Spang: Der Grund war eigentlich ganz banal. Damals, im Jahre 2003, gab es diesen Film "Underworld", in dem Kate Beckinsale als "Selene" Jagd auf Werwölfe macht. Diese Grundidee griff ich auf für ein eigenes Computerspiel, an dem ich und einige andere in der Freizeit arbeiteten. Aus dem Spiel wurde nichts, aber die Charaktere und die Welt blieben. Damit machte ich mich zuerst an die Kurzgeschichten, dann an den Roman "Blut gegen Blut". Die weibliche Protagonistin blieb. 


Da ich mich schon jahrelang durch die Arbeit an dem Computerspiel in den Kopf einer weiblichen Heldin versetzen musste, fiel mir das auch für den Roman nicht sonderlich schwer. 

Wie es zu der Persönlichkeitsstörung kam, ist eine gute Frage. Grundlegend fand ich es erst mal interessant, in einer Fantasywelt solche ernste Themen zu behandeln, anstatt das hundertste magische Amulett zu thematisieren oder eine weitere Prophezeiung aus dem Hut zu zaubern, der man dann nachgehen muss. Da fand ich es spannender, das selbstverletzende Verhalten der Protagonistin mit einzubringen, was ein Resultat der Probleme ist, die sie mit ihrer alkoholkranken Mutter hat. Und da der Held auf seiner Reise natürlich auch eine oder mehrere Schwächen haben sollte, passte das ganz gut zusammen. 


Was macht für dich eine starke Frau aus? Hast du Kriterien, die eine solche für dich erfüllen muss und welche Eigenschaften sollte oder darf sie nicht haben?

BS: Sie gibt sich nicht damit ab, in die Rolle des "schwachen Geschlechts" gesteckt zu werden. Auch wenn sie von den Männern belächelt wird, sollte sie ihren Weg gehen und sich durchsetzen können. 

Und natürlich, wie bei den Männern auch, sollte sie wieder aufstehen können, wenn sie auf die Fresse fliegt :)


Wie sehr identifizierst du dich nach dem Schreiben mit deiner Protagonistin - ist sie dir ein Vorbild, ein alter Ego, etwas, womit du dich selbst gar nicht spiegeln kannst?
 

BS: Ich muss sagen, ich bin sehr distanziert zu meiner Protagonistin. Dennoch flossen unheimlich viele persönliche Dinge mit in meinen Roman. Das habe ich aber erst im Nachhinein gemerkt. Es ist nichts Offensichtliches. Niemand in meiner Familie hatte z.B. jemals Probleme mit Alkohol oder Selbstverletzendem Verhalten. Es ist versteckt im Buch und nur ich sehe das. Und das ist auch gut so! :)
Auf gewisse Art und Weise fühle ich mich schon verbunden zu meiner Protagonistin, aber eher auf eine väterliche Art und Weise.


Wie hat sich Katrina im Laufe des Schreibprozesses für dich verändert? Hast du sie am Anfang bereits so durch konzipiert, oder hat sie sich vielleicht sogar unerwartet in eine Richtung entwickelt, mit der du nicht gerechnet hast?

BS: Sie war nie störrisch, ich hatte sie immer unter Kontrolle. Ich verstehe das auch nicht, wenn andere Autoren darüber klagen, dass ihre Figuren machen, was sie wollen. Wenn das passiert, sollte man eine ausführliche Charakterisierung schreiben und sich daran halten, ganz einfach.


Ansonsten ergab sich kein fundamentaler Wandel bei ihr, von der Erstfassung bis zum finalen Buch. Nur der Name hat sich geändert. Sie hieß ganz am Anfang Lilytu. Dann, um den Namen zu Werwölfin Lisunki unterscheidbarer zu machen, änderte ich ihn um in Amalie. Und dann im letzten Schritt zu Katrina. Der Name bedeutet übrigens "die Reine". 


Du hast letztlich auf Twitter betont, dass du gerne über starke Frauen schreibst und dir ist der Zusammenhalt der Familie, bzw. der Zusammenhalt von Eltern und Kindern offensichtlich ein wichtiges Anliegen. Hast du einen persönlichen Bezug zu Frauen mit starkem Charakter? 

BS: Ich kenne sie eher aus fiktiven Werken und habe mit der Zeit gemerkt, dass ich lieber starke, weibliche Protagonisten sehe, als den typischen, harten Kerl, der alle wegballert. 

 

Ich finde die Mischung aus dem Genre Dark Fantasy und dem inneren Konflikt des selbst verletzenden Verhaltens sehr spannend. Gerade neurotische Störungen, selbstverletzendes Verhalten und andere Persönlichkeitsstörungen, haben ja einen Bezug zu einer gewissen Menge Menschen in unserer real existenten Gesellschaft. Ist das etwas, was du aufgrund eines persönlichen Bezuges verarbeitest und welchen Effekt soll es auf den Leser haben? 

BS: Nein, ich habe mich nie selbst verletzt oder hatte irgendeine Neigung in diese Richtung. Ich fand die Grundidee "sich selbst bluten lassen" in einer Welt voller Vampire und Werwölfe erst mal spannend. Das war der schlichte Grundgedanke, den ich dann weiter ausgearbeitet habe. Außerdem fand ich es spannend, dass sie sich selbst für so wertlos hält, später dann aber merkt, dass das nicht so ist. Und dann eben die Ironie zum Schluss, aber da will ich jetzt nicht spoilern :)


Kannst du dich im realen Leben gut von deinen Geschichten distanzieren oder leben sie stetig in deinem Kopf weiter?

BS: Ich kann mich gut distanzieren. Wenn ich Ideen habe, schreibe ich sie auf. So konnte ich z.B. ca. 80 kurze Storyideen notieren, die ich nach und nach zu Kurzgeschichten, Novellen oder Romanen verarbeiten kann.


Planst du diese Thematik noch zu vertiefen und weiter Geschichten über starke Frauen, seelische Probleme und Parallelgesellschaften zu schreiben?

BS: Bei meinem Debüt habe ich erst gar nicht großartig darüber nachgedacht, dass ich da jetzt seelische Probleme einbaue. Ich wollte meine Hauptfigur einfach schwach sein lassen, um sie über den Verlauf der Handlung stark werden zu lassen. Aber am Ende fand ich das total spannend. Diese Mischung aus Fantasy, unwirklichen Wesen und ernsten, zutiefst realen Problemen. Ja, das werde ich weiter verfolgen und ausbauen. 




Es bleibt also spannend, im Hause Spang - und das ist auch gut so! An dieser Stelle möchte ich mich herzlich für dieses Interview bedanken und hoffe, du bekommst noch viel mehr Leser, Benjamin Spang!



Benjamin Spang und ich // LitCamp Heidelberg 2016


Info zum Buch: www.blutgegenblut.de


Meine Rezension: http://bordsteinprosa.blogspot.de/2016/05/buchrezension-blut-gegen-blut-von.html








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