Samstag, 2. Juli 2016

Organisation - wer oder was bist du und wo kann man dich erwerben?

Wir Kreativen kennen das - die hart erkämpfte Stunde Freiraum geht so schnell rum, dass wir noch gar nicht angefangen haben, sie zu nutzen. Die meisten von uns sind in einem Alltagsjob gefangen,  und oder haben Familie. Was dabei noch an Aufnahmefähigkeit, Motivation und Zeit übrigbleibt, um den kreativen Ausgleich zu schaffen, ist gegen null. Nun bin ich zwar auch Mutter und zudem noch allein getrennt- gemeinsamerziehend, habe aber die unglaublich tolle Chance, von Zuhause zu arbeiten. Was ich arbeite, ist ebenfalls kreativ und hat mit Büchern zu tun.

Wie es der Teufel aber so will, ist das aber nicht immer das, was ich gerade machen will - und wer als Schreiber, Künstler oder Musiker mal einen Anfall von Kreativwahn erlitten hat, weiß, wie sich das anfühlt. Man sitzt auf heißen Kohlen, MUSS förmlich am eigenen Projekt arbeiten, weil es einen erdrückt, es nicht zu tun. Dann möchte man natürlich nebenher auch noch Buch XY von Autor XY lesen, weil man es versprochen hat oder schon lange drauf wartet, aber man kann nicht. Irgendwo danach kommen Dinge wie: Sport machen, weil man mit dem faulen Hintern so rumsitzt und das nicht gerade zur allgemeinen Zufriedenheit beiträgt. Irgendwo kommt auch das schlechte Gewissen den Mitmenschen hoch, weil man jede freie (oder auch nicht freie) Minute, mit mindestens, dem Gedanken an das Projekt füllt.

Ich habe persönlich immer Dienst. Mein Protagonist Lukas schwirrt seit einem Jahr in meinem Kopf herum, alles, was ich so lustig und oder kreativ finde, schreibe ich auf. Ich könnte es ja mal verwenden. Genauso funktioniert auch die Authentizität meines Buches, denn meine Dialoge sind meist direkt aus dem Leben gegriffen, oder haben einen dortigen Ursprung. Also meine Umwelt ist gelegentlich schon etwas genervt von meiner Manie, alles in mein Telefon zu tippern, was mir so wichtig erscheint. Quasi alles.

Ganz am Ende der kreativen Nahrungskette, kommt bei mir tatsächlich der Schlaf. Ich schlafe zu wenig. So wenig, dass ich zwischendurch sogar schon kurzfristig schizoide Züge hatte (NIX MIT MEHREREN PERSÖNLICHKEITEN!). Nicht, dass das nicht normal wäre, wenn man massiv Schlafentzug erleidet - ich bin ja auch noch selbst daran schuld. Leider hat es mich mich wie in einem Rausch erfüllt, nächtelang durch zu schreiben, eine oder zwei Stunden zu "ruhen" und danach ganz normal zu arbeiten, Kind in den Kindergarten verfrachten, zum Sport zu fahren und am besten noch: wieder zu schreiben. Ja, jeder, der sagt, es wäre ein easypeasy Job, sich Geschichten zu erdenken und sie auf den Markt zu werfen, ist einfach realitätsfern. Es mag diese Leute geben, die das ganz entspannt tun, sich ewig Zeit nehmen, ein hammer Buch abliefern und dann reich werden. Danach tun sie dann nichts anderes, als sich ausschließlich anderen Projekten zu widmen. Der Autor, das mystische Wesen, Isolationist und Mastermind seines Zeichens, immer kreativ und kompetent.

Pah! Hallo Realität, ich winke mit untergehender Jolle, das weiße Fähnchen ist bereits gehisst. Untergang vorprogrammiert, zumindest bei mir. Mein allerliebstes Symbolbild für meinen Tagesablauf sieht folgendermaßen aus: 

Quelle: Internet, irgendwo.
Ja, ich bin immer unter Strom, mein Kind kann all diese nervigen Dinge auf einmal anrichten und mich dabei noch anlachen. Ich bin immer müde, regelrecht auf 200% Adrenalin, gestresst von den kleinen feinen Gemeinheiten der bürokratischen Alltagswelt und den Tücken der sozialen Interaktion. Sozialkompetenz? Kann ich prima. Nicht.

Das, was mich am meisten belastet, ist das schlechte Gewissen. Ich möchte es allen anderen recht machen, aber mir auch. Möööp, Logikfehler. Das geht einfach nicht. Und der Tag hat (leider) in unserem Weltensystem nur 24 Stunden. Wie teile ich mir die am besten ein? Das, und nur das, ist die Frage, um die es sich drehen sollte. Wie also verplempere ich meine Zeit möglichst effektiv und so, dass ich am meisten abarbeiten kann, ohne mich dabei zu zerstören. Das Thema heute ist also Zeitmanagement. Igitt. Überall braucht es diese doofen Manager. Was ist das? Kann man das essen? 

Die Antwort ist nein, aber man sollte sich mal darüber Gedanken machen. Ja, auch in der Welt der Kreativen kommt man langfristig nur weiter, wenn man Vitamin B hat, Verbindungen pflegt und sich gegenseitig unterstützt. Deshalb ist es mir auch immer extrem peinlich, wenn ich keine Energie und oder Zeit habe, ein Buch für einen befreundeten Autor zu lesen. Am liebsten würde ich immer alles auf einmal machen und das, was ich mir dann so vorgenommen habe, zerbricht meist an einer simplen Störung. Zum Bleistift ein unverhoffter Termin irgendwo. Ein krankes Kind, Kind zieht die Festplatte beim Schreiben raus**, ein spontaner Anfall von Burn-out, Chef will was, Katze kotzt mir auf die Tastatur. Die Probleme sind so vielseitig, wie nur sonst was. **Alles schon vorgekommen.

Die Lösung neben einem optimalen Arbeitsplatz *mehr dazu in Kürze* ist scheiße, aber einfach:

Eins nach dem anderen. (Wer hätte das gedacht)

Ich habe für mich gelernt, dass es mir viel bringt, wenn ich mir eine Liste mache, auf denen meine "To Do's" stehen, hinter die ich mir immer ein "Gönn dir" schreibe. Also ich besteche mich selbst, indem ich mir kleine Ziele setze, die mir aber schneller ein Erfolgserlebnis geben. Sowas wie: Buch von XY lesen, danach mal ein Eis essen gehen. Artikel XYZ schreiben, danach mal richtig schön in die Wanne flezen. eine Stunde mal nicht ans Projekt denken, dafür mal mit dem Kind richtig auf dem Trampolin rocken usw. Wenn ich das nicht mache, sehe ich NUR und ausschließlich die Arbeit und keinen Erfolg. Der Schlüssel dazu ist die Pause. Ohne Pause, werde ich langsamer beim arbeiten, genervt, müde und unzufrieden. Lieber lasse ich die kleinen Erfolgserlebnisse überwiegen, als die Panik, dass ich nichts schaffe. Das hat bei mir nachweislich den Effekt, dass ich solange prokrastiniere, bis ich kapituliere. Das Bartleby-Syndrom. 

In der Arbeitserklasse-Manager-Arbeitswelt sowie hier bei uns Autoren und Künstlerfreaks: Keine Sau interessiert, wenn ich nicht funktioniere. Und wenn doch, sind es die richtigen Leute, die einen auch verstehen und nicht verurteilen. Die, die es nicht tun, sind die, die dir am Arsch hängen, weil du vermeintlich erfolgreich bist. Also von daher: Chill mal. Dann dauert es eben ein bisschen länger, bis ich dazu komme, ein Buch zu lesen. Dafür bin ich aber dann bei der Sache. Alle anderen haben auch ein Leben, ein Projekt und einen Gesellschaftsknast. Am liebsten mag ich die Worte: Danke, Entschuldigung, Ehrlichkeit und Fairness. Die gelten für mich und auch für die Menschen, mit denen ich arbeiten muss und will. Hauptsache ehrlich mit sich selbst und den Anderen bleiben und sich eingestehen, wenn man Dinge einfach halt mal nicht gleich packt. 

Ich empfehle übrigens: großes Chaos vermeiden, indem man kleines Chaos gleich beseitigt. Dann kommen unvorhergesehene Zeit- und Motivationsfresser nicht so brutal. Und: Mehr Döner, Champagner und Sex. Und vielleicht ein bisschen schlafen.

Herzlichst, eure Prosa

1 Kommentar:

  1. Hallo meine Liebe,
    auch wenn es Deinen Stress vielleicht noch erhöht, habe ich dich gerade für den Liebster Award nominiert und würde mich freuen, wenn du teilnimmst. Die Fragen dafür gibt es hier: https://verareinhardkrimi.wordpress.com/2016/07/08/liebster-award/
    Liebe Grüße
    Vera ^^

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