Donnerstag, 29. September 2016

Jasager Teil 2 - Beziehungs(un)fähigkeit

Vor vielen Jahren habe ich einen Blogeintrag von einem Menschen gelesen, dessen unglaubliche emotionale Kompetenz bis zur totalen Verneinung unter seinem Verstand gelitten hat. Was mir seitdem immer wieder durch den Kopf geht, ist seine Aussage, dass wir uns in das verlieben, was uns am ähnlichsten ist. Das sehe ich auch so. Wohlgemerkt in jenes Ich, welches wir gerne wären und welches potenziell in uns schlummert.

Ich schickte meiner besten Freundin vorhin über hunderte Kilometer einen Satz, der mich selbst infrage stellt. Eine Gleichung mit zwei Unbekannten. Ihre Antwort ist wie immer ein Spicker, auf dem der Lösungsansatz steht. Nur rechnen muss ich jetzt noch selbst. Vor allem mit den richtigen Vorzeichen.

Meine Gleichung geht nach mehrmaligem Rechnen auf, die Geschwindigkeit meiner Lernfähigkeit macht mir Angst. Das Ergebnis ist null, frei jedweder Wertung.

Wir sehen uns selbst und das Positive an uns in der anderen Person und beginnen das zu mögen. Leider aber nur bis zu dem Punkt, an dem wir uns schwach fühlen. Zumindest glaube ich das. Schwach, weil wir daran zweifeln, unser eigenes Potential je erreichen zu können. Sobald ein Ich von zwei Menschen dieselbe Basis hat, jedoch weiter reflektiert ist, fällt das andere hinten runter. Warum? Weil wir uns danach sehnen, uns selbst zu lieben. Aber genau da entsteht auch die größte Hürde in uns. Umso näher wir uns selbst sind, desto mehr lieben wir auch.

Wir verlieben uns in ein Potenzial, das jemand tatsächlich mitbringt, weil wir sämtliche Fehler dadurch wunderbar relativieren können. Prinzipiell ist das gar nicht verkehrt, weil es ab und an tatsächlich vorkommt, dass wir dieses Potential erreichen. Nur mit Hilfe, aber dafür müssen wir selbst die Tür aufschließen. Dabei sollte am besten das Fenster geschlossen bleiben, damit die Vernunft nicht direkt aus ebendiesem flüchtet.

Was ich aus diesen Sprachnachrichten mit ihr gelernt habe, ist eigentlich ganz hervorragend:

Ich habe mich nicht nur überhaupt, sondern auch in mich verliebt. Das bedeutet, ich bin irgendwie in Ordnung, weil ich noch etwas geben kann, das nur aus mir herauskommen kann. 
Jeder Mensch, der andere lieben kann, kann auch sich selbst lieben. 
Aber diese Erkenntnis befremdet, verstört, kommt mir falsch vor. Wir neigen dazu, uns zurückzunehmen, anderen den Vortritt zu lassen und bewerten uns bei selber Leistung wesentlich schlechter. Es ist wie mit einer Berufsausbildung:

Sind wir einmal Azubi und Lehrmeister, wird sich an diesem Verhältnis ohne neues Arbeitsumfeld und Weiterbildung nichts ändern. Die meisten Menschen wollen aber ihren Schreibstisch nicht verlassen und nichts Neues mehr lernen. Bis zur Rente. Ich wechsle jetzt die Branche und verlasse den Azubistatus, weil ich nun nicht mehr nur lernen, sondern auch lehren kann.

Mit - wie immer - viel zu viel Liebe für die Menschen, die sich lieben könnten, aber nicht mehr trauen. Vor allem die, die gerne eine Weiterbildung machen würden, aber noch nicht genau wissen als was ...

Mittwoch, 28. September 2016

Kurzgeschichtensammlung - ein Experiment mit euch!

Letztlich hat mir ein noch recht junger Schreiber seine Texte zukommen lassen, die mich so gefesselt haben, dass ich beschlossen habe, eine Sammlung anzugehen. Warum muss es immer gleich ein ganzes Buch sein? Gefühle sind stark und brauchen nicht immer einen hunderte Seiten langen Rahmen! Also dachte ich eine Weile darüber nach und bin zu folgendem Entschluss gekommen:

Ich möchte euch bitten, mir eure Kurzgeschichten mit emotionsgeladenem Thema zur Verfügung zu stellen, damit wir gemeinsam eine wundervolle und vielschichtige Anthologie zusammenstellen. Am besten bis maximal 15 Normseiten, je nachdem, wie viele Interessenten ich dann habe. Thema ist absolut frei, aber extreme politische Bezüge sind eher sensibel zu behandeln. Bitte auch keine diskriminierenden Aussagen, ich möchte gerne niemanden ausschließen :) Ansonsten gibt es keinen Rahmen für Genre und Zeit. Lektorat und Gestaltung bräuchten wir auch, wer helfen kann und mag (gegen Geld natürlich) ist herzlich willkommen!

Bei Interesse bitte an mich über Twitter DM oder hier, über Email an 
Nika.sachs@gmx.de oder Bordsteinprosa@gmx.de

Ich freue mich auf eure Ideen!

Eure Nika <3

Sonntag, 25. September 2016

Jasager und die Generation des Nihilismus

Jasager.

Jaja, höre ich mich immer sagen. Jaja, stimmt schon. Du hast recht und ich meine Ruhe. Jaja, ich weiß. Jaja heißt leck mich am Arsch. 

So oft, wie ich Jaja sage, fällt es mir schwer, einfach nur ja zu sagen. Ja zum Leben. Ja zu Menschen und ganz vorne, ja zu mir selbst. Weil es so viel einfacher ist, nein zu sagen. Aber da ist es natürlich ausreichend, nur einmal nein zu sagen. Nein-nein wäre ja wieder ein Ja und klingt auch komisch - fast so seltsam wie:
"Atomkraft? Nein, nein ...", wie es bei uns in Darmstadt in der Uni steht.

Ich bin schon lange quasi Profi im Neinsagen. Nein zu allem, das ich nicht unter Kontrolle haben kann. Aber was ist schon Kontrolle? Ein fiktives Konstrukt aus Konditionalgefügen und der trügerischen und prophylaktischen Entsagung, welche aus ihnen zwangsläufig irgendwann resultiert.

Warum eigentlich? Zunehmend ähnliche Erfahrungen, ganz klar. Dabei ist das total albern, denn das einzig ultimativ Anzunehmende, ist mein Ableben. Irgendwann. Nicht einmal das weiß ich schon. Nur, dass es geschehen wird. Aber mit ebendieser vermeintlichen Sicherheit des Fatalismus gehe ich an alle Ereignisse heran. ganz besonders an die, die mich ins Chaos stürzen. Dabei verfolgt doch gerade das Chaos ein System.

Das Gewohnheitsherdentier will den Zaun. Den Seelenknast und das Kontrollkorsett. Weil Atmen doch so überbewertet wird, alles eine Frage der Konditionierung. Dabei kontrolliert die Konditionierung mich und ich schon lange nicht mehr mein Leben, was für eine fiese Feststellung. Wie neidisch ich auf naive Kinder bin, deren Urvertrauen in die Welt ich gerne in mir aufrechterhalten würde. Vertrauen ist vielleicht aber einfach nicht genug, damit Wenn ich Kontrolle bewusst abgebe, ist das dann Kontrollverlust? Oder doch eher die wahre Kontrolle?

Ich habe Angst vor etwas Neuem, weil es mich begeistern könnte. Das Ende vom Weg kenne ich doch schon - warum fällt es mir so schwer, ihn bis dorthin zu gehen? Weil er mir gefallen könnte, ich aber wieder von ihm abkomme. Ich werde geschubst, aus der Bahn geworfen, stolpere, gehe wieder alleine. Die Hand, die ich ergreife, entzieht sich mir. Aber ich schaffe das ja auch so, wozu brauche ich eine Hand, die mich führt, wenn ich eine berechenbare Taschenlampe nehmen kann? Batterie leer, Licht aus. Vielleicht Materialermüdung. Oder ein Wackelkontakt. Die möglichen Komplikationen häufen sich - verdammt. Die Hand wird immer interessanter, die ist nämlich zu all den Komplikationen im Vorteil, auf mich einzugehen.


Denken muss ich immer und bei all meinen Entscheidungen, aber ich bin es gewohnt, mich nur auf mich verlassen zu können. Dabei kann ich eigentlich nicht einmal das. Sonst wäre ich jetzt ganz woanders, glücklicher, weniger getrieben und zufriedener mit mir selbst. Aber ich stelle fest, auch ich treffe falsche Entscheidungen, entziehe anderen meine Hand und stecke sie lieber in meine Jackentaschen, wenn es kalt wird.

Gabelung A sagt: Hand, leben und fliegen, stolpern und fallen

Gabelung B sagt: gerade Strecke mit Taschenlampe jeder Menge Verlockungen am Rand, die ich mir nur ansehen kann, weil der Zaun mich effektiv davon fernhält.

Natürlich brauche ich die Hand nicht, damit ich den Weg zu Ende gehen kann. Aber mir gehen zunehmend die Argumente aus, weshalb ich sie nicht nehmen sollte. Wegen dem Bisschen Kontrolle über ein ödes und geradliniges Leben, in dem ich trotzdem nicht mit mir zufrieden bin?

Will ich eigentlich nicht.

Montag, 19. September 2016

It's magic! 7000 Klicks?

Es ist wahr - 7000 mal wurde mein Blog schon geklickt und ich möchte das gerne einmal ganz offiziell sagen:

VIELEN LIEBEN DANK AN ALL MEINE LESER <3 

Sobald ich hier wieder mehr Kapazitäten habe, gibt es auch endlich die noch ausstehende Kurzgeschichte, sowie ein paar neue Rezensionen.


Gute Nacht euch allen,

Eure Nika - der Bordstein klappt sich nun für heute hoch ...

Montag, 12. September 2016

Detail ist alles - ein Besuch in der Kunsthalle Mainz

Detail ist alles - so lautet der Titel der Ausstellung, die derzeit in der Kunsthalle in Mainz läuft. Gestern habe ich sie besucht und fand mich am Ende unerwartet als Teil der Ausstellung vor.

Die Bild- und Toninszenierung Railings von Francis Alÿs hätte ich mir stundenlang antun können. Wie ein mahnender Rundgang des Wärters im Gefängnis weckt Alÿs den Zuschauer auf. Dabei geht er zufällig und absichtlich mit einem Drumstick Zäune und Pfeiler ab. Damit erzeugt er den Rhythmus der Architektur, die sich in den wohlhabenden Gegenden Londons befinden. Zäune spielen hierbei eine wesentliche Rolle, denn sie verdeutlichen die Abgrenzung der Bevölkerung untereinander. Reichtum als eigener Kosmos in der Stadt, dessen Existenz beschützt werden muss.

https://www.youtube.com/watch?v=tC4-op71sa4 


Die 1994 in Mexico City entstandene Fotografie Turista zeigt Alÿs selbst, der sich zwischen arbeitsuchenden Männern an den Zaun lehnt. Dabei bietet er seine Dienste als Tourist an, was für eine Freizeittätigkeit steht, für die es keinerlei Können und Vorkenntnisse bedarf.



Zentrales Thema der Ausstellung sind Sensibilisierung, Protest und Rebellion, welche sich harmonisch und beinahe unbemerkt in ihre Umgebung fügen. Heimlichkeit und Stille und deren subtile Aussage sind ein immer wiederkehrendes Element der Künstler. Die Details sind eben alles, wenn man kaum Möglichkeit hat, sich auszudrücken.


Auch Vito Accondi nutzte sie als Sprache für seine Protokolle, die er in den Sechzigern und Siebzigern führte. Dabei verfolgte er unauffällig die von ihm ausgewählten Passanten durch die Stadt. Ein Assistent fotografierte ihn dabei. Dieses Verfolgen hatte für Accondi keinen detektivischen Hintergrund, denn er suchte nicht nach Informationen. Es ging lediglich um die Abgabe von Kontrolle, die ihm widerfuhr, wenn er sich jeden Tag aufs Neue auf den Weg eines Unbekannten einließ.

Out of the body.
What I wanted was to step out of myself from above as an observer of my behavior. 
V. Accondi 1972

I would be too close to the person - too close to myself? - - to observe myself.

Fall into position in a system. I can be substituted for, I can be replaced. My positioned value counts here, not my individual characteristics.
V. Accondi 1969


Vito Accondi - following piece (1969)


Ich verstehe Stille und vermeintliche Integration letztendlich als eine Art Sprache, welche Rebellion als Koexistenz im selben Kosmos erlaubt, in welchem auch Kontrolle und Repression herrschen. Am Ende meines Rundganges, den ich als einziger Besucher der Ausstellung sehr genossen habe, begreife ich mich als Teil der Inszenierung. Ich bin alleine, aber das Personal des Museums verfolgt mich aufmerksam. Dabei nehme ich die Anwesenheit der Kontrolle zur Kenntnis, lasse mich jedoch nicht von ihr beeinträchtigen, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Ich protestiere gegen Kontrolle, indem ich mich ihr aussetze, mit ihr arbeite, spiele und sie analysiere.

Wer sich diese wundervolle Ausstellung ebenso ansehen mag, kann dies noch bis zum 16.10.2016 tun.

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INFO DES MUSEUMS
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Kunsthalle Mainz
Am Zollhafen 3 - 5
55118 Mainz

Öffnungszeiten

Dienstag, Donnerstag, Freitag 10 – 18 Uhr
Mittwoch 10 – 21 Uhr
Samstag und Sonntag 11 – 18 Uhr
Feiertage 11 – 18 Uhr
Montag geschlossen, auch 3.10. (Tag der Deutschen Einheit)

Eintrittspreise und Führungen

Erwachsene 6 €
Ermäßigt (Schüler, Studenten, Rentner, Schwerbehinderte) 3 €
Gruppe ab 10 Erwachsene (pro Person) 4 €
Gruppe ab 10 ermäßigt (pro Person) 2 €
Kinder bis 6 Jahre Eintritt frei
Jahreskarte 25 €
Öffentlicher Rundgang 4 € (zzgl. Eintritt)
Angemeldeter Rundgang 75 €, sonn- und feiertags 90 € (zzgl. Eintritt)
Kunstrundgang für Schulklassen und außerschulische Einrichtungen etc. 2 €
(pro Person, inkl. Eintritt)
Rundgang für Studienseminare 4 € (pro Person, inkl. Eintritt)

Sonntag, 11. September 2016

Have I ever told you that I never told you


Have I ever told you

I never missed you being an asshole, adapting all the shit around us just to work.
I miss those moments when you gave in into sadness and the beauty of desire so honestly.
Everytime you screamed and cried with me because life hit us like a bullet from behind.



Have I ever told you

I Ioved watching your tall and skinny body sleeping, coiled up and vulnerable, a little less than your soul.
Your thoughtful eyes observing me, ready to burst into a waterfall or wrath within a second.
Everytime I was not able to let you be part of me after you warned me, better not to be part of you.



Have I ever told you

That all your weaknesses were strenghts, suffocated in doubts.
You smell like Jasmine blossoms and sound like hoar frost.
Your color is yellow but your heat is blackened, longing to become a wax crayon scratch picture.



Have I ever told you

Your eyes are chocolate and your hair is honey.
Your hands are the purest poetry to my lap.
Your voice is bittersweet pain to my ears-just as your music to my memory.



Have I ever told you

We were young and stupid, in the need of finding ourselves lost in principles.
You never knew me and I never knew you - though we were naked as body and soul can be.
We will never get a chance to repeat that one blink of an eye, where the magic of the moment strikes.

Dienstag, 6. September 2016

Namenlos - Buchveröffentlichung meines Blogexperiments // Novelle

Zwar ist es schon ein paar Wochen her, aber aufgrund von akutem Leben komme ich gerade zu nichts. Nun ja. Hier ist es also, das erste Buch, welches ich mit ISBN veröffentlicht habe. Namenlos heißt der novellige Schinken und ist derzeit für 15,99 als Hardcover über Amazon und BoD bestellbar. (ISBN unten) Da es sich hier um Print on Demand handelt, bitte ich alle Interessierten unter euch um etwas Geduld bei den Lieferzeiten. Ein E-Book ist auch geplant, aber derzeit habe ich noch keine Zeit dafür. Werde ich aber bald in Angriff nehmen. 

So. Worum geht es hier eigentlich in der Frankfurtnovelle? Ich war faul, okay, ihr habt mich. Ich habe mal eben den Klappentext für euch geklaut:

Namen sind Schall und Rauch. Das denkt sich auch die junge Frau, die den Unbekannten am Nachbartisch anspricht. Sich gegenseitig vorstellen, interessant finden, verabreden, ausgehen und am Ende intim werden – ein alter Hut. Wie lernt man sich am besten kennen? Rückwärts, findet sie. So bestehen die unkonventionellen Dates der beiden Protagonisten aus schwarzhumorigen und tiefsinnigen Gesprächen über Literatur, Arbeit, Liebe und dem magischen Moment der Zweisamkeit mit einem unbekannten Menschen. Vor allem aber beinhalten sie eines nicht: die Frage nach dem Namen. Wie so oft folgen Leben und Liebe aber ihren ganz eigenen Gesetzen und komplizieren das Vorhaben mit der möglichst späten Auflösung des Geheimnisses …


Ich bitte darum, meine dämlichen Formatierungsfehler zu überlesen, sowie die bestimmt vereinzelten Vertipper. Irgendwann werde ich mal ein Profi im aufmerksam Lesen. Oder auch nicht. Ich mag ja kreative Inkompetenz. Meistens. Dennoch. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn ihr mal rein schaut, lacht, euch wundert, aufregt, mir eure Gedanken dazu mitteilt und vielleicht sogar eine Rezension schreibt.

Herzlichst, eure Nika


Nika Sachs - Namenlos // erschienen bei BoD, ISBN: 978-3-74120-514-9