Dienstag, 25. Oktober 2016

Buchmesse Aftermath - meine Selbsterkenntnis

Meine persönliche Erkenntnis nach der diesjährigen Frankfurter Buchmesse hat ein wenig gedauert. obwohl ich zwischendurch ziemlich krank wurde und den Rest der Messe nicht mehr anwesend war, hat sie viel in mir verändert.

Überhaupt hat das letzte Jahr schon viel in mir ausgelöst. Den Wunsch ernsthaft vom Schreiben zu leben, mein Ding durchzuziehen, mir eine Gemeinschaft zu suchen, die mich versteht und mir gut tut. Nun ja, es ist angelaufen.

Natürlich habe ich parallel dazu noch andere Pläne, die mich im Bereich Buchwelt dahin bringen könnten, wo ich hin will. Aber wo ist das eigentlich? Habe ich ein konkretes Ziel?

Ja, das habe ich. Was ich mir wirklich wünsche, ist ein Auskommen in einer Branche, die gerade wahnsinnig stark im Umbruch ist. Ich selbst schreibe als Selfpublisherin und arbeite parallel dazu auf einen Verlagsvertrag hin. Mein aktuelles Buchprojekt ist beendet und wird demnächst an meine Agentur geschickt.

Natürlich wünsche ich mir damit erfolgreich zu sein, so viel zu verdienen, dass ich mir keine Sorgen machen muss, ob ich meinem Kind einen Schulausflug zahlen kann. Aber in erster Linie wünsche ich mir ein Umdenken in der Buchbranche, eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Verlagen, Agenturen, Buchhandlungen und Selfpublishern.

Es wird nicht von heute auf morgen funktionieren, aber ich gehe stark davon aus, dass es uns möglich sein wird, noch viel zu bewirken und Brücken zu bauen. Brücken, die diese Branche wirklich erhalten und bereichern können, denn was wir alle wollen, sind qualitativ hochwertige Bücher. Ob die nun aus dem Verlagsbetrieb oder dem Selfpublishing kommen, ist hierbei irrelevant.

Mir ist auch bewusst geworden, dass ich nicht neidisch auf meine erfolgreichen Kollegen bin. Es ist schwer, sich auf dem Buchmarkt eine Nische zu ergattern, in die man perfekt reinpasst, das richtige Marketing zum richtigen Zeitpunkt hat und darüber hinaus auch sein Handwerk möglichst beherrscht.

Ich weiß für mich selbst, was ich gut kann, was ich noch lernen muss und dass man Äpfel eben nicht mit Birnen vergleichen kann. Deshalb fällt es mir auch nicht schwer, mich mit und für meine tollen Kollegen zu freuen.

Wo wir gerade dabei sind, möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich Andreas Hagemann und Daniela Rohr empfehlen, deren Bücher mich diesen Sommer wirklich gefesselt haben. Weiter so, ihr beiden!

Hoffentlich bleiben wir noch lange Bros und bereichern und unterstützen uns gegenseitig.

Kommentare:

  1. Das ist ein sehr schöner Artikel! Wenn sich mittelfristig, das "Segment" des Selfpublishings fest etabliert, wird es der Buchbranche vielleicht nicht so ergehen wie der Musikbranche. Wenn alle, die Bücher produzieren und vertreiben, wirklich "das gute Buch" als Ziel haben, dann können Verlagswesen und Selfpublishung sich gegenseitig unterstützen. Wenn sie nicht mit Verachtung aufeinander blicken ("Wir Indies sind die wahren Künstler!" vs. "Echte Schriftsteller haben einen Verlag!"), ergeben sich hoffentlich Synergien sowohl in künstlerischer als auch in ökonomischer Hinsicht.

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  2. Hallo Michael,
    leider sind auch viele Verlagswerke nicht am Leserwunsch ausgerichtet. Schau dir den diesjährigen Buchpreisträger an. Romane, die in Villen am Lago di Maggiore spielen... Der Flügel im Erkerzimmer der Villa des Großvaters... Ich glaube, viele Leser suchen das Erlebnis des echten Lebens, unterhaltsam verpackt. Wir Selfpublisher können dies viel besser präsentieren als die Kollegen in den Verlagen - weil diese nur Elitethemen bedienen!
    Trotzdem Bordi - dir viel Erfolg im Verlagsleben!
    Liebe Grüße Jens van der Kreet

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  3. Ein toller Artikel, der zum Nachdenken anregt. Was sind meine Ziele, was meine Möglichkeiten. Was fehlt mir vielleicht noch, um das eine wie das andere erreichen zu können. Ist der Weg, den ich eingeschlagen habe, wirklich der richtige.

    Ich schwanke im Moment permanent zwischen den Möglichkeiten Selfpublishing und Verlag hin und her. Frage mich, ob ich nicht letztlich das eine immer nur deswegen in Erwägung ziehe, weil ich für dass andere nicht den Schneid habe.

    Dein Ziel, Brücken zu bauen, ist unterstützenswert. Und es fängt im Kleinen an, bei jedem von uns. Zum Beispiel werde ich momentan nicht müde, meinem Umfeld erst einmal bewusst zu machen, dass es so etwas wie Selfpublisher überhaupt gibt. Kleine Schritte.

    Ich drücke dir die Daumen, dass du es irgendwann schaffst, dein Auskommen zu erlangen. Für mich ist dieser Zug wohl abgefahren, aber es geht mir wie dir: kein Neid, sondern gute Wünsche.

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