Sonntag, 20. November 2016

BOOK GOES POP ART // Autorenvorstellungen in Pop-Art Teil 4 // Eva-Maria Obermann

„Einfach Eva reicht“, sagt Eva-Maria Obermann. Sie ist im Mai 1987 in Speyer geboren, in Schifferstadt aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Früher wollte sie einmal Tierärztin werden, weil sie glaubte, dass Tiere es mehr verdient hätten, versorgt zu werden, als Menschen. Als sie 12 war, ließen sich ihre Eltern scheiden, woraufhin Eva anfing kurze Texte und Gedichte zu schreiben. Das Schreiben half ihr, auch als Ventil gegen Mobbing. Nach der Schule studierte Eva zunächst Biologie, wechselte 2009 jedoch zu Germanistik und promoviert derzeit erfolgreich in der Literaturwissenschaft über die Mutterfigur in der Gegenwartsliteratur. Gefördert wird sie dabei von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Literatur ist ihr Leben und der Wechsel zwischen wissenschaftlichem und erzählendem Schreiben fällt ihr nicht immer leicht. Allerdings empfindet sie dies als wichtig, damit ihr die Freude am Schreiben nicht verloren geht. Zu verkopft sei eben auch nichts. Eva hat außerdem einen Mann, drei Kinder von acht, drei und einem Jahr und eine Katze. Sie schreibt neben der Dissertation auch journalistisch, bspw. für das Face2Face Magazin. Literatur zieht sich eben durch ihr ganz schon beeindruckendes Leben ...

Was sagt Eva-Maria über sich selbst? Ihr könnt es nachfolgend lesen:

 

Mein Deutschlehrer fragte mich einmal in der Oberstufe, warum ich schreibe. Meine Antwort gilt auch heute noch „Ich kann nicht anders.“ Ohne das Schreiben wäre ich nicht ich. Schreiben ist für mich nicht nur Ausdrucksmittel und hilft meiner Phantasie, sich auszudrücken, es ist auch Selbsttherapie. Nach der Scheidung meiner Eltern hat sich das herauskristallisiert, aber vor allem, als ich in der Schule regelrecht gemobbt wurde, weil ich nicht schlank und auch sonst nicht „konform“ war. Ich schlitterte in eine Essstörung, aber das Schreiben hat mir geholfen und ich habe damals auch gelernt, reflektiert mit dem Geschriebenen umzugehen. Das hilft mir als Autorin ungemein weiter. 

Angefangen habe ich mit Lyrik und auch heute sind meine Gedichte mir sehr wichtig. Sie sind emotionaler und persönlicher, als alles andere, was ich schreibe. Kurzgeschichten schreibe ich gerne als Übung, am meisten Spaß macht es mir aber, ein Konzept für einen Roman zu entwickeln und auszufeilen. Nächstes Jahr erscheint mein erster Roman und da habe ich von der Grundidee bis zu Umsetzung quasi zehn Jahre lang gearbeitet, wobei viel in meinem Kopf passiert ist.
 

Da ich drei Kinder habe und an meiner Promotion arbeite habe ich nicht immer so viel Zeit für meine literarische Schreiberei, wie ich gerne hätte, versuche aber konsequent am Ball zu bleiben. Mein jüngster ist seit letzter Woche in der KiTa angekommen, was mir nun nicht nur abends Schreibzeit ermöglicht, sondern auch tagsüber Zeit, so dass ich Arbeit, Schreiben und Familie ausgewogener organisieren kann. Gerade Kurzgeschichten schreibe ich aber ab und an auch speziell für meine Kinder, sie sind also durchaus Inspiration.
 

Die meisten Ideen kommen mir gerade in der Zeit, in der mein Kopf eigentlich Pause hat. Besonders gut klappt das beispielsweise beim Stillen, aber auch beim Joggen, in der Sauna oder beim Putzen kommen mir immer wieder Plotgrundlagen in den Sinn, die ich dann weiter ausbaue. Vieles davon ist fantastisch, aber auch Gegenwartsliteratur gehört zu meinem Repertoire. Im Grund schreibe ich, was ich auch gerne selbst lese.
 

Lesen ist überhaupt ein Faktor, der mir beim Schreiben total wichtig ist. Ich habe selbst einen Buchblog (www.buchblog.schreibtrieb.com) und rezensiere fleißig. Einmal hilft es mir, zu erkennen, was ich selbst mag und welche Techniken ich gut finde. Außerdem habe ich dort schon eine tolle Vernetzung mit Autoren und Bloggern aufbauen können. Und es macht mir wirklich Spaß.
 

Ich habe fünf fertige Manuskripte abgespeichert und mein erster Roman „Zeitlose – Simeons Rückkehr“ erscheint nächsten Februar im Schwarzer Drachen Verlag. Momentan schreibe ich an einer Fortsetzung. Außerdem habe ich zwei Projekte bei Oettinger34, bei einem davon bin ich in den letzten Lektoratszügen. 

Eva-Maria Obermann - Zeichnung Nika Sachs 2016

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