Sonntag, 12. Februar 2017

Und der Mörder ist ... Mein Kommentar zu Nicole Neubauers Krimi "Moorfeuer"

Es gibt unendlich viele Bücher. Und ein wirklich gutes ist dieses.

Ich gebe es zu - ich lese sonst keine Krimis und Thriller, weil ich mir dabei ins Hemd scheiße. Wenn man so eine lebendige Phantasie hat wie ich, wird so ein nervenaufreibendes Buch schnell zum Horrortrip.

Vor etwa einem Dreivierteljahr traf ich Nicole das erste Mal. Ich war als Begleitung zu einem Termin beim Piper-Verlag in München eingeladen und nutzte den Abend davor, mich mit ihr zum Abendessen zu treffen. Wir kannten uns flüchtig über Twitter und die #BartBroAuthors. Wir verstanden uns ab dem ersten Moment super.

Ich fragte sie über den Abend über ihre Bücher aus und bekam tatsächlich ein Exemplar des aktuellen Werkes von ihr geschenkt. Mit Signatur. 

Monate verstrichen, in denen ich Nicole noch zwei Mal treffen sollte. Aber bis letzte Woche glotzte ich das wunderschöne Cover immer und immer wieder nur in meinem Regal an, ohne es anzufassen. Ich hatte tatsächlich Angst vor dem Buch. Weil ich ein sehr zartes Nervenkostüm für Gewalt und Psychokram habe. 

Als meine Mutter den Krimi im Herbst las, stand fest, ich werde es lesen. Meine Mutter liest gefühlt hunderte Bücher im Jahr und davon sehr viele Krimis. Ihr Fazit war eine eindeutige Leseempfehlung.

Im Dezember tarf ich Nicole das letzte Mal, gemeinsam mit meiner ebenfalls großartig schreibenden Freundin Julia von Rein-Hrubesch, bei selbiger zuhause. Ein Abend mit Gin, Feuertonne und großartigen Gesprächen über das Schreiben, Kreativität und unsere Pläne. Da war mir klar, ich muss das Buch jetzt endlich lesen.

Vorhin habe ich es zugeschlagen und muss sagen - ich bin ziemlich platt. Das, was Nicoles unverkennbaren Schreibstil ausmacht, ist das Unkonventionelle am Krimi.
Dieses Buch ist so vielschichtig, eine genreübergreifende Mischung aus Psychoanalyse, Gesellschaftskritik und kreativer Sprache.

Nicole schafft es, Ebenen in die Geschichte zu bauen, die man je nach Interpretationsanspruch überlesen, und zugleich weit ergünden kann. Sie spielt dabei mit dem Gegensatz aus Wortwitzen des aktuellen Zeitgeschehens, einer großartigen Brise Sarkasmus, dem Bauerncharme des Freistaats Bayern und einer klaren, knappgehaltenen Satzstruktur. Ihre Art zu schreiben erzeugt intensive Bilder, eine dauerhafte Spannung und überspielt dabei nicht die Banalitäten eines tatsächlichen Ermittleralltags, mit dem Hollywoodfilter des Surrealismus.

Hier findet sich alles: die Kritik an mangelnder Selbstreflexion, Monsanto, Realitätsflucht und dem Verkommen unserer ständig anonymer werdenden Gesellschaft. Dabei schafft sie Bezüge zu Themen und Begebenheiten, die mir ein manches Mal ein Insiderschmunzeln ins Gesicht gezaubert hat. Die versteckten Gags sind nicht notwendig, um das Buch zu verstehen. Aber es ermöglicht dem Einen oder Anderen mit Sicherheit einen sehr viel größeren Einblick in Nicoles Gedankenwelt, als man vermutet.

Das Freisinger Moos ist eine Kulisse, die einen gewissen mystischen Faktor mit sich bringt, ohne überzogen konstruiert zu wirken. Es ist schwer, einen Schauplatz für einen Mord so zu gestalten, dass man wirklich bis zum Ende rätselt, ohne dauernd abgelenkt werden zu müssen. Überhaupt sind die Schauplätze übersichtlich, die Abläufe transparent und genau das macht es auch so schwer, keine Längen in ein so dickes Buch zu bringen.

Alles, was ich ab jetzt sagen möchte, wäre ein Spoiler. Deshalb sage ich abschließend nur:

Dieses Buch ist unkonventionell und sehr gut geschrieben. Ich habe es überlebt. Wenn auch mit Gruselfaktor beim Einschlafen. Volle Punktzahl für diesen Krimi.

Hut ab. Den nächsten Teil lese ich auf jeden Fall!


Nicole Neubauer // Moorfeuer
Blanvalet Verlag
ISBN - 978-3734102127

Foto: https://www.amazon.de/Moorfeuer-Kriminalroman-Kommissar-Waechter-2-ebook/dp/B00XRC6UZC/ref=tmm_kin_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=1487186706&sr=8-1



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