Sonntag, 9. Juli 2017

Jessica Iser im Interview

Jessi, dank dir mag ich derzeit nicht in den Spiegel schauen. Du hast eine knackige Kurzgeschichte von sechs Seiten bei uns eingereicht und die hat es in sich! Kannst du uns ein bisschen was über sie erzählen?

Dann habe ich ja genau das erreicht, was ich wollte! Spaß beiseite. Tatsächlich kam mir die Idee, als ich Studien recherchiert habe, die etwas Unheimliches an sich haben, das mit der Psyche zu tun hat. Dabei stieß ich auf eine Studie, bei der es darum ging, was passiert, wenn sich zwei Menschen mehrere Minuten lang ansehen.
Da ich die beschriebenen Effekte vor Jahren bei meinem Spiegelbild selbst schon erlebt habe, fand ich das Thema auf Anhieb sehr spannend.

Hat es dich beim Schreiben selbst gegruselt? Oder kannst du dich gut von deinen Geschichten distanzieren?

Ich kann mich eigentlich immer ganz gut distanzieren, aber testen möchte ich es in dem Fall nicht.

Ich durfte ja bereits dein großes Roman-Projekt Test lesen und sage Hut ab, dass du unbedarft über Blut und Gemetzel schreiben kannst. Fühlst du dich in der mystischen und düsteren Welt zu Hause?

Auf jeden Fall! Das fasziniert mich schon seit Kindertagen und das Interesse ist nach wie vor da. Ich interessiere mich stark für düstere Geschichten, aber auch wahre mysteriöse Fälle und könnte stundenlang über solche recherchieren. Gleichzeitig gefallen mir aber auch vollkommen gegenteilige Geschichten, Filme, Bücher. Darum ist mein Roman wahrscheinlich auch so ein Mix aus romantisch und blutig geworden.

Ich finde auch, dass das wunderbar nebeneinander laufen kann! Das Leben besteht ja immer als Gesamtes aus mehreren Phasen, die sich abwechseln oder überschneiden. Wie war das für dich, den Spannungsbogen in eine so kurze Geschichte zu bauen? Sind Kurzgeschichten langfristig etwas für dich?

Definitiv. Romane sind zwar meine große Leidenschaft, aber in Kurzgeschichten kann ich meine kleineren Ideen ausleben, die vielleicht einfach kein ganzes Buch füllen würden. Ich liebe es, in Kurzgeschichten mit Twists zu spielen und zu versuchen, den Charakteren und der Story auf nur wenigen Seiten trotzdem Leben einzuhauchen. Ich hoffe, das ist mir gelungen.

Das sehe ich auf jeden Fall so und hoffe, dass wir wieder einmal zusammenarbeiten. Vielleicht in einem Buch, bei dem es nur ums Gruseln geht? Hast du denn schon ein neues Projekt angefangen?

Das wäre großartig, die Zusammenarbeit hat mir nämlich auch sehr viel Spaß gemacht. Man kommt durch so etwas oft erst auf Ideen, die man sonst nicht hätte. Ich habe kürzlich zwei weitere Kurzgeschichten abgeschlossen und ein neues Romanprojekt begonnen. Ein weiteres habe ich auch schon im Hinterkopf, aber die Überarbeitung meines (hoffentlich bald erscheinenden) Debütromans hat erst einmal Priorität. Danach bin ich wieder für alles offen.

Das klingt, als hätten wir noch eine Menge vor uns - sowohl du und ich in einem Projekt als auch die Leser mit deinen Werken. Ich bin jedenfalls sehr gespannt und hoffe, dass dein Roman bald erscheint (ein echter Geheimtipp, wenn ihr mich fragt!)
Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview mit dir und bleibe gespannt auf die Erscheinung unseres Schreib-Projekts "Sehnsuchtsfluchten".


Vielen Dank dir auch, dass ich bei der Anthologie dabei sein darf. Ich freue mich schon auf die Geschichten der anderen Autoren!


Jessica Iser, "Dysmorphia", erscheint in "Sehnsuchtsfluchten", 2017 bei TWENTYSIX

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen